Die Arbeitspirouette: Auf dem Weg zur vollkommenen Galopp-Pirouette

Die Galopp-Pirouette, eine kreisförmige Wendung der Vorhand um die Hinterhand, ist eine Lektion höchster Versammlung.

Die Galopp-Pirouette ist eine Lektion, die ursprünglich aus der „Höheren Campagnenreiterei“ bzw. aus der „Hohen Schule“ entwickelt wurde und Eingang in die klassische Dressur gefunden hat. Im Kriegseinsatz ermöglichte sie es dem Reiter, sich schnell und auf engstem Raum aus einer Gefahrensituation heraus zu bewegen.
Bei der Galopp-Pirouette, die grundsätzlich aus dem versammelten Galopp geritten wird, führt das in die Bewegungsrichtung gestellte und gebogene Pferd mit der Vorhand eine kreisförmige Wendung um die Hinterhand aus. Die Hinterhand folgt dieser Bewegung auf einem möglichst kleinen Kreis und fußt deutlich vom Boden ab. Dabei beschreibt das äußere Hinterbein einen Bogen um einen Mittelpunkt möglichst nahe am inneren Hinterbein. Durch den höheren Grad der Versammlung senkt sich die Hinterhand und nimmt vermehrt Last auf.
Die Galopp-Pirouette zählt zu den schwierigsten und anspruchsvollsten Übungen und erfordert ein bis zur Versammlung gut ausgebildetes, korrekt gymnastiziertes Pferd. Erst nach einer mehrjährigen Ausbildung sind die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen, um diese Lektion ohne Schaden für Bänder, Sehnen und Gelenke beim Pferd reiten zu können.
Noch in dieser Lektion unerfahrene Pferde sollten vorsichtig an das Training der Galopp-Pirouette herangeführt werden. Es bietet sich in diesen Fällen an, zu Beginn nur kurze Schrittabfolgen von zwei bis drei Galoppsprüngen zu üben und die Teilabschnitte erst über die Zeit sukzessive zu erweitern. In den Anfängen wird die Pirouette häufig aus dem traversartigen Galopp geritten. Sobald eine Abfolge von Galoppsprüngen in der Pirouette sicher beherrscht wird, empfiehlt sich zunächst ein Übergang in die Arbeitspirouette. Denn bei der Arbeitspirouette darf die Kreisbewegung durchaus noch großzügiger ausfallen.

Grundsätzlich wird zwischen der halben und der ganzen Galopp-Pirouette unterschieden. Bei einer Drehung von 180° bzw. drei bis vier Galoppsprüngen handelt es sich um eine halbe Pirouette. Eine ganze Pirouette erstreckt sich über 360° und endet nach sechs bis acht Galoppsprüngen.

Folgende Inhalte erwarten Sie in diesem Artikel:

  • Es werden der Ablauf und die Fußfolge der Galopp-Pirouette beschrieben.
  • Die Arbeitspirouette als Vorstufe zur Galopp-Pirouette wird vorgestellt.
  • Die typischen Fehler bei der Erarbeitung der Pirouette werden beschrieben und Empfehlungen zur Vermeidung bzw. Korrektur gegeben.

Voraussetzungen für eine korrekte Galopp-Pirouette

Diese Übung erfordert ein korrekt gymnastiziertes Pferd mit genügend Tragkraft. Wesentliche Voraussetzung für das Üben von Galopp-Pirouetten ist die sichere Beherrschung des versammelten Galopps und der Galopptraversalen auf beiden Händen. Das Pferd sollte dabei gut an den äußeren Zügel heranspringen. Während der gesamten Wendung muss der klare Dreitakt des Galopps erhalten bleiben.

Die Fußfolge

Die im Galopp gerittene Pirouette ist ein sauberer Dreitakt. Auf der rechten Hand geritten, beginnt die Bewegungsfolge mit der Ansprungphase – hinten links -, gleichzeitig gefolgt von hinten rechts sowie diagonal vorne links und vorne rechts, um dann in eine ausgeprägte Schwebephase überzugehen.

Die Arbeitspirouette

Die Arbeitspirouette stellt im Grunde eine Vorstufe zur Galopp-Pirouette in Vollendung dar. Der Reiter lernt, den schon sicher zu beherrschenden, versammelten Galopp in die Pirouette zu überführen. Das Pferd trainiert durch die vermehrte Hinterhandaktivität Tragkraft und Hinterhandmuskulatur. Gleichzeitig wird es zum fleißigen Unterspringen angeregt. Das Pferd muss sich für diese Übung vermehrt in den Hanken beugen und setzen.
An die Balance von Pferd und Reiter wird ein hoher Anspruch gestellt.

Keinesfalls dürfen Pirouetten so lange geübt werden, bis das Pferd die Last mit der Hinterhand nicht mehr tragen kann. Die Gefahr von Überanstrengung und Verletzungen ist groß. Richtige Vorbereitung und das Üben der Galopp-Pirouetten im geeigneten Augenblick sind weitaus hilfreicher, als ständige Wiederholungen.

In dem folgenden Film zeigt Candido Tardio Moscoso die Hilfengebung der Galopp-Pirouette anhand des PRE Hengstes Quantum III.

Die Hilfengebung

Die Gallopp-Pirouette wird ausschließlich im versammelten Galopp geritten.

Das Pferd wird mit halben Paraden vermehrt aufgenommen. Die Parade am äußeren Zügel richtet das Pferd auf. Der innere, leicht verkürzte Zügel stellt und führt das Pferd in weicher Anlehnung in die Wendung, dabei darf das Vortreiben des inneren Schenkels nicht gehemmt werden. Besonders wichtig ist, dass die innere Hand des Reiters bei jedem Galoppsprung wieder leicht wird, um nicht das innere Hinterbein zu blockieren.
Der äußere, verwahrende Zügel gibt etwas nach und begrenzt die Stellung. Durch entsprechend eingesetzte, halbe Paraden am äußeren Zügel wird die Größe des Kreises bestimmt, den die Hinterhand beschreibt. Er gibt nach, wenn sich das Pferd verhält – und verhindert im Bedarfsfall ein zu starkes Vorwärts.
Hand und Sitz müssen völlig ruhig sein, der Oberkörper bleibt gerade aufgerichtet.
Bei jedem Galoppsprung der Pirouette sollte der Reiter wie mit einer (An-)Galopphilfe auf das Pferd einwirken.
Der innere Gesäßknochen ist belastet. Dies fördert ein deutliches Unterspringen unter den gemeinsamen Schwerpunkt von Pferd und Reiter.
Der innere Schenkel liegt treibend am Gurt, hält das innere Hinterbein aktiv und sorgt für die nötige Rippenbiegung.
Der äußere Schenkel befindet sich verwahrend etwas hinter dem Gurt. Er vermeidet ein Ausweichen der Hinterhand und sorgt gemeinsam mit den übrigen Hilfen für das Herumführen des Pferdes und die Vorwärtstendenz während der Wendung.
Takt, Fleiss und Schwung müssen unbedingt erhalten bleiben. Danach sollte wieder schwungvoll nach vorne geritten werden. Das Einhalten von Takt und Schwung ist vorrangiger, als das Reiten einer Wendung auf kleinstem Raum.

Lerneffekte für Pferd und Reiter

Dem Pferd werden bei dieser Übung folgende Aspekte näher gebracht:

  • Die Hinterhand wird verstärkt angeregt. Die Hinterhand senkt sich durch den höheren Grad der Versammlung und nimmt vermehrt Last auf.
  • Der Trainingseffekt für die Muskulatur der Hinterhand ist besonders stark ausgeprägt – sollte aber auch nur in Maßen beansprucht werden!
  • Die Tragkraft wird gestärkt und die Fähigkeit zur Lastaufnahme erhöht.
  • Die Versammlungsfähigkeit des Pferdes wird gefördert.
  • Das Balancegefühl wird gestärkt.
  • Der Schwung und die Elastizität sind nicht nur Voraussetzung, sondern werden darüber hinaus ausgebaut.
  • Die Durchlässigkeit wird trainiert.Dem Reiter werden bei dieser Übung folgende Aspekte näher gebracht:
  • Das Balancegefühl wird gestärkt.Handhaltung und Zügelführung, Sitz und Oberkörper werden geschult.
Die Galopp-Pirouette zählt zu den schwierigsten und anspruchsvollsten Übungen und erfordert ein bis zur Versammlung gut ausgebildetes, korrekt gymnastiziertes Pferd.

Typische Fehlerquellen