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Die Haftung des Hufschmieds

Was passiert wenn der Hufschmied etwas falsch macht oder das Pferd nach einem Termin Probleme hat?

Der Hufschmied spielt für jedes Pferd und jeden Pferdehalter eine wichtige Rolle. Jedes Pferd hat dabei seine eigenen Bedürfnisse. Das eine Pferd braucht Eisen, das andere sogar einen Spezialbeschlag. Darüber hinaus variieren die Intervalle zwischen den einzelnen Hufschmiedeterminen sehr. Was passiert jedoch, wenn der Hufschmied etwas falsch macht und das Pferd nach einem Termin Probleme hat?

Folgende Inhalte erwarten Sie in diesem Artikel:

  • Was passiert, wenn der Hufschmied „vernagelt“?
  • Was passiert, wenn sich das Pferd während der Hufbearbeitung verletzt?
  • Muss ein Schmied Schadenersatz übernehmen, wenn ein Pferd wegen einer Fehlbehandlung zum Tierarzt muss?
  • Darf ein Hufschmied orthopädischen Beschlag ohne tierärztliche Anweisung fertigen?
Der Schmied schuldet als Erfolg einen ordnungsgemäßen Beschlag bzw. eine ordnungsgemäße Bearbeitung der Hufe.
Der Schmied schuldet als Erfolg einen ordnungsgemäßen Beschlag bzw. eine ordnungsgemäße Bearbeitung der Hufe.

Was passiert, wenn der Hufschmied „vernagelt“?

Beispielfall: Lauras Pferd Max wurde vom Hufschmied behandelt und hat neue Eisen bekommen. Leider läuft Max nun nicht mehr sauber und zeigt leichte Lahmheiten. Was kann Laura nun tun und wie sieht die Rechtslage aus?

In der Regel kommt zwischen dem Hufschmied und Laura ein Werkvertrag nach § 631 BGB zustande. In Abgrenzung zu einem Dienstvertrag bedeutet dies, dass der Hufschmied nicht nur eine Leistung, sondern auch einen Erfolg schuldet. Der Schmied schuldet als Erfolg einen ordnungsgemäßen Beschlag bzw. eine ordnungsgemäße Bearbeitung der Hufe. Eine ordnungsgemäße Bearbeitung umfasst das Ausschneiden und Raspeln der Hufe. Laura ist im Gegenzug dazu verpflichtet, den vereinbarten Werklohn zu zahlen.

Voraussetzung für die Haftung des Hufschmieds ist die Schlechterfüllung. Der Schmied hat beispielsweise schlecht erfüllt, wenn er einen Nagel falsch gesetzt hat.

„Beim Vorliegen einer Schlechterfüllung ist das Werk dann mangelhaft.“

Wenn ein Pferd, beispielsweise durch einen falsch gesetzten Nagel, nach dem Beschlagen lahmt, kommt eine Haftung des Hufschmieds in Betracht.
Der Hufschmied hat ein sogenanntes „Vernageln“ grundsätzlich zu vertreten. Dies gilt nur dann nicht, wenn das Pferd im Bereich des Hufs Besonderheiten aufweist.
Als Besonderheiten im Bereich der Hufe gelten u.a. abgelaufene, sehr brüchige sowie von Fäulnis betroffene Hufe.

Wie oben bereits erwähnt, stellt beispielsweise das Vernageln des Hufschmieds einen Mangel im Rahmen des Werkvertrages dar. Dem Auftraggeber stehen dann Rechte zu, die er jedoch nur in einer bestimmten Reihenfolge ausüben kann.
Als erstes hat der Auftraggeber Nacherfüllung zu verlangen. Das heißt, dass der Hufschmied zunächst ein Recht darauf hat, nachzubessern. Hierfür muss ihm von Laura eine angemessene Frist gesetzt werden. Die Frist ist einzelfallabhängig und kann je nach Art des Mangels unterschiedlich lang sein. Nur in Not-/ Ausnahmefällen kann auf eine Fristsetzung tatsächlich verzichtet werden. Dann sind die Kosten für eine weitere Behandlung von dem verursachenden Hufschmied zu tragen. Dies gilt auch, wenn dieser eine Nachbesserung endgültig verweigert hat oder eine Nachbesserung nicht möglich ist. Eine Nachbesserung kann etwa dann unmöglich sein, wenn der Schmied die Hufe so kurz geschnitten hat, dass vor jeder weiteren Behandlung ein Nachwachsen der Hufe zwingend erforderlich ist. Falls jedoch eine Nachbesserung möglich ist und Laura diese wünscht, hat sie keinerlei weitere Kosten zu tragen. Dies gilt unabhängig davon, ob die Nachbesserung teurer ist, als der eigentlich gewünschte Beschlag. Laura ist lediglich dazu verpflichtet das zu bezahlen, was sie ursprünglich in Auftrag gegeben hat.

Was passiert, wenn sich das Pferd während der Hufbearbeitung verletzt?

Beispielfall: Lauras Pferd Max ist beim Schmied immer etwas unruhig. Leider ist jedoch der Gehilfe des Schmieds krank, weshalb der Schmied alleine arbeitet. Max wird währenddessen so aufgeregt, dass er sich befreien will und dabei verletzt. Kann Laura nun den Schmied für die Tierarztkosten belangen?

Der Hufschmied hat außerdem stets verschiedene Sorgfaltspflichten zu beachten. Wenn er diese missachtet und es infolgedessen zu einem Schaden kommt, haftet er.
Für das Aufhalten oder Festhalten des Pferdes hat der Hufschmied immer einen Gehilfen hinzuzuziehen. Wenn er dies unterlässt und das Pferd sich beim Beschlagen verletzt, hat er eine Sorgfaltspflicht verletzt. Darüber hinaus trifft den Hufschmied auch eine besondere Sorgfaltsplicht bei der Auswahl des Beschlagorts. Dieser muss hinreichend groß und gut beleuchtet sein. Außerdem dürfen keine Gegenstände oder Vorrichtungen vorhanden sein, an denen sich das Pferd eventuell verletzen könnte. Die unmittelbare Nähe von feuergefährdetem Stroh und Heu ist ebenso zu vermeiden.
Wenn der Hufschmied ein unruhiges Pferd wie Max zu beschlagen hat, hat er es mit einem geeigneten Beruhigungsmittel ruhig zu stellen. Dies verlangt die Sorgfaltspflicht. Als geeignete Beruhigungsmittel kommen etwa eine Nasenbremse oder auch ein Sedierungsmittel in Betracht. Ein Sedierungsmittel darf der Hufschmied jedoch nicht selbst verabreichen. Hierzu muss ein Tierarzt hinzugezogen werden.

Der Beschlagort muss hinreichend groß und gut beleuchtet sein.
Der Beschlagort muss hinreichend groß und gut beleuchtet sein.
Das Pferd muss während des Beschlagens nicht zwingend angebunden sein.
Das Pferd muss während des Beschlagens nicht zwingend angebunden sein.

Weiter muss ein Pferd während des Beschlagens nicht zwingend angebunden sein.

Bei Pferden, die zum „Aufhängen“ neigen, kann ein Anbinden des Pferdes sogar sorgfaltswidrig sein.

Im Zusammenhang mit dem Festhalten eines Beins hat der BGH entschieden, dass ein Schmied grob fahrlässig handelt, wenn er versucht ein Pferd festzuhalten, welches sich befreien will. Als Begründung hat der BGH angegeben, dass der Hufschmied als Fachmann habe wissen müssen, dass auch mehrere Männer nicht in der Lage seien, einen Hinterhuf eines unruhig gewordenen Pferdes festzuhalten. Der Schmied hätte loslassen und zur Seite gehen müssen.

Es gehört auch zu den Sorgfaltspflichten eines Schmiedes, bei einer Erkrankung den Halter darauf hinzuweisen und die Hinzuziehung eines Tierarztes zu empfehlen.

Denn der Hufschmied ist dazu verpflichtet, den Halter optimal bezüglich der Hufpflege zu beraten.

Um die Einhaltung dieser Sorgfaltspflicht später beweisen zu können, sollte der Hufschmied seinen Hinweis stets in seinen Rechnungen dokumentieren oder sich seinen Hinweis vom Halter quittieren lassen.

Muss ein Schmied Schadenersatz übernehmen, wenn ein Pferd wegen einer Fehlbehandlung zum Tierarzt muss?

Beispielfall: Laura ist Berufsreiterin und geht mir ihrem Erfolgspferd Max regelmäßig auf Turniere. Weil der Schmied falsch beschlagen hat, lahmt Max nun und fällt eine Weile aus. Außerdem muss Max in die Tierklinik, bis er wieder gesund ist. Welche Rechte hat Laura nun?

Nach erfolglosem Ablauf der Nacherfüllungsfrist kann Laura von dem Hufschmied Schadensersatz verlangen. Dazu muss sie jedoch nachweisen, dass ihr überhaupt ein Schaden entstanden ist.
Beim Vorliegen eines Schadens umfasst der Schadensersatzanspruch etwa Tierarztkosten oder auch Kosten für Medikamente. Anders als bei einem PKW-Schaden dürfen die Tierarztkosten den Wert des Pferdes übersteigen. Allerdings muss eine tierärztliche Behandlung auch tatsächlich erforderlich sein. Die Heilbehandlungskosten sind auch dann zu erstatten, wenn sie im Ergebnis erfolglos geblieben sind. Von der Haftung des Hufschmieds ist jedoch nicht die grob fehlerhafte tierärztliche Behandlung umfasst.
Ebenso musste der Hufschmied in folgendem Fall Schadensersatz leisten: Ein Pferd hatte wegen falscher Stollen einen Unfall beim Springen erlitten. Das Pferd verlor das Vertrauen zum Springen. Es beendete in der Folgezeit keinen Parcours mehr. Der Halter konnte von dem Hufschmied Ersatz der Tierarztkosten sowie den entstandenen Wertverlust des Pferdes ersetzt verlangen.
In einem vom OLG Frankfurt entschiedenen Fall, musste der Hufschmied an eine Pferdehalterin ebenso Schadensersatz leisten. Er beschlug das Pferd, obwohl eine hohle

Hufwand vorlag. Obwohl der Hufschmied das Beschlagen selbst sachgerecht ausgeführt hatte, hätte er die Halterin vor dem Beschlagen darauf hinweisen müssen, dass eine hohle Hufwand vorliegt und dieses einer tierärztlichen Behandlung bedarf. Das Pferd musste später eingeschläfert werden. Der Schmied musste den Wert des Pferdes ersetzen.
Keinen Schadenersatz kann Laura allerdings für eine Kolik des Pferdes verlangen, die während einer verordneten Stallruhe nach einer fehlerhaften Behandlung des Hufschmieds auftritt.

Außerdem muss der Schmied keinen Schadenersatz für die Einstellkosten während der Genesung des Pferdes sowie für die entgangene Lebensfreude des Halters leisten, weil er das Pferd nicht reiten konnte.

Die Rechtsprechung sieht in den Einstellkosten sogenannte „Sowieso-Kosten“, die unabhängig von dem Gesundheitszustand des Pferdes entstanden wären. Hinsichtlich der Entschädigung für den Nutzungsausfall stellt die Rechtsprechung darauf ab, ob Laura sich auf die ständige Verfügbarkeit für die eigenwirtschaftliche Lebenshaltung berufen kann. Daraus folgt, dass ein Verdienstausfall bei einem gewerblich genutzten Pferd zu erstatten ist. Die entgangene Freude an einem privat genutzten Pferd ist jedoch nicht erstattungsfähig.

Wenn die Frist zur Nacherfüllung ergebnislos abgelaufen ist, kann der Auftraggeber nun vom Vertrag zurücktreten oder mindern. Er kann ebenso den Mangel selbst beseitigen lassen und Ersatz der anfallenden Kosten von dem verursachenden Hufschmied verlangen.

Darf ein Hufschmied orthopädischen Beschlag ohne tierärztliche Anweisung fertigen?

Beispielfall: Lauras Pferd Max hat Hufrehe und bekommt vom Hufschmied beim Termin keinen normalen Beschlag, sondern einen orthopädischen Beschlag. Als der Tierarzt später kommt ist er nicht zufrieden, da er eigentlich eine andere Behandlungsmethode ausgewählt hat. Muss Laura nun den Beschlag bezahlen?

Wichtig für die Praxis zu wissen ist, dass ein Hufschmied einen orthopädischen Beschlag nur nach tierärztlicher Anweisung fertigen darf.

Selbst wenn Sie es im Alltag bereits anders erlebt haben, muss vor einem orthopädischen Beschlag eine tierärztliche Diagnose festgestellt worden sein. Ansonsten ist der Schmied

lediglich dazu verpflichtet, einen fehlerfreien Normalbeschlag unter die Hufe zu bringen. Für den Fall, dass ein Schmied ohne tierärztliche Indikation einen orthopädischen Beschlag anbringt und dieser tatsächlich nicht medizinisch notwendig ist, handelt er sorgfaltswidrig, wenn das Pferd später eine Gesundheitsbeeinträchtigung erleidet.
Diese Rechtsprechung erscheint nicht grundlos erstaunlich. Denn Hufschmiede arbeiten und bilden sich heutzutage eng mit Tiermedizinern fort. Sie selbst verfügen über ein umfangreiches Fachwissen und werden nicht selten von den Tierärzten beratend zur Seite gezogen.

Unser Experte

Rechtsanwalt und Mediator Uwe J. Badt versteht es auf die individuellen Bedürfnisse der Menschen zum Thema Recht rund ums Pferd einzugehen.
Selbst Reiter, ist er sich der oftmals besonderen emotionalen Anforderungen bewusst und bringt auch das Verständnis auf zwischenmenschlicher Ebene mit. Das wiederum schafft Vertrauen. Basierend darauf und mit der Spezialisierung in allen rechtlichen Belangen rund um das Pferd berät und vertritt Herr Badt Mandanten bundesweit.
Seit 2014 referiert Herr Badt auf namenhaften Messen deutschlandweit, wie z.B. der Equitana in Essen, Messe Pferd Bodensee, Eurocheval in Offenburg, Pferd & Jagd in Hannover u.v.m..

Lernen Sie Herrn Badt als verlässlichen Menschen kennen, der als Rechtsanwalt und Mediator bundesweit, außergerichtlich und vor Gericht für Sie da ist.

Rechtsanwalt & Mediator Uwe J. Badt
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