Dillenburg: Neue Bewegungsfläche für Pferde des Landgestüts

Arbeitsgruppe stellt Zwischenergebnisse vor

Im Hessischen Dillenburg haben Bürgermeister Michael Lotz und Landwirtschaftsministerin Priska Hinz die Zwischenergebnisse der verwaltungsübergreifenden Arbeitsgruppe, die sich mit der Zukunft des Landgestüts befasst, vorgestellt. Inzwischen wurden Maßnahmen auf dem Gestütsgelände umgesetzt bzw. befinden sich in konkreter Planung.

Es tut sich etwas im Landgestüt Dillenburg: Nach der monatelangen Debatte um die Schließung der Anlage gibt es inzwischen eine neue Bewegungsfläche für die verbliebenen Pferde des Gestüts. Außerdem befinden sich die Stallungen im Umbau. Anfang Juli 2017 hatte die hessische Landesregierung bekannt gegeben, das Landgestüt Dillenburg nicht weiter unterstützen zu wollen. Die 400 Jahre alte Traditionsanlage stand damit vor dem Aus. In ihrer Begründung stellte Ministerin Priska Hinz unter anderem das Wohl der Pferde in Frage. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN), der Pferdesportverband Hessen sowie weitere Pferdesport- und -zuchtverbände hatten sich zusammen mit der Stadt Dillenburg und dem Förderverein des Landgestüts für den Erhalt der Anlage stark gemacht. Anfang August 2017 hatten die beiden Sachverständigen Dr. Christiane Müller und Eckhard Hilker während einer Pressekonferenz in zwei Gutachten deutlich gemacht, dass das Landgestüt in seiner damaligen Form und sogar mit einem noch größeren Pferdebestand zukunftsfähig ist und die Pferdehaltung bereits zu dieser Zeit leitliniengerecht war. Nach bundesweitem Protest gegen die drohende Schließung entschied sich das Ministerium zwar für den Erhalt des Landgestüts, stellte jedoch die Hengsthaltung ein. Nun befasst sich eine Arbeitsgruppe mit der Zukunft des Gestüts. Erste Ergebnisse vermeldeten nun das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und die Stadt Dillenburg. Wie das Ministerium mitteilte, wurde hinter Stall 3 eine Auslauffläche von 250

Quadratmetern geschaffen, um das Bedürfnis der Pferde nach Licht, Luft und Bewegung erfüllen zu können. Weitere Ausläufe von fast 1.000 Quadratmetern hinter Stall 2 sind in Vorbereitung. Dafür werden 250.000 Euro investiert. In Stall 1 werden die Boxen vergrößert und die Gitter und Türen so verändert, dass die Pferde miteinander Kontakt haben können. In Stall 3 sind ebenfalls solche Umbauten der Boxengitter geplant.
In Abstimmung mit dem Kreisveterinäramt wurden außerdem die Belegungs- und Bewegungspläne für die Schulpferde des Landgestüts optimiert. Die Innenstadtlage des Gestüts ist eine Besonderheit und mit Schwierigkeiten verbunden: Trotz umfassender Prüfung lassen sich neben der bereits genutzten Sommerweide keine zusätzlichen Weideflächen realisieren. Einzelnen Tieren wird aber nun ein mehrwöchiger Sommeraufenthalt auf der Weide eines Kooperationsbetriebs ermöglicht.
In den vergangenen zehn Jahren hat das Land nach eigenen Angaben mehr als sechs Millionen Euro in Baumaßnamen investiert. Weitere Mittel sind für die denkmalgeschützte Sanierung der Gebäude vorgesehen: „Derzeit wird Stall 1 für weitere 1,5 Millionen Euro saniert und tierwohlgerecht umgebaut. Für Stall 2 sind 1,5 Millionen vorgesehen, für die Orangerie sind 700.000 Euro in 2018 bis 2020 veranschlagt. Der nächste Sanierungsabschnitt des Prinzenhauses folgt 2021 bis 2025 mit 1,5 Millionen Euro“, heißt es vonseiten des Ministeriums.

Weiteres Augenmerk auf touristische Aspekte

Bürgermeister Lotz erläuterte die Zwischenergebnisse aus Sicht der Stadt Dillenburg: „Das Gestüt gehört sehr eng zu uns und prägt unser Stadtbild. Die Schließungsdiskussion im letzten Jahr hat uns deswegen bis ins Mark getroffen. Wir sind dankbar dafür, dass das Land Hessen große Investitionen in die Bausubstanz der Gebäude vorgenommen hat und dass die Zusammenarbeit in der Arbeitsgruppe sehr konstruktiv und ergebnisorientiert ist.“ Seit November 2017 sind in der Gruppe wichtige Themen besprochen und erste Maßnahmen auf den Weg gebracht worden, mit denen die Haltung der Dillenburger Hengste verbessert wurde und weiterhin verbessert wird. „In den letzten Monaten wurden hier nicht unerhebliche Beiträge seitens des Landes in die Tierhaltung investiert. Es gilt aber auch den Balanceakt zu finden zwischen historischem Ambiente, artgerechter Haltung und den

betriebswirtschaftlichen Aspekten, damit wir nicht immer wieder neue Schließungsdiskussionen führen müssen“, sagte Lotz. Der Bürgermeister bedauert nach wie vor außerordentlich, dass die Pferdezucht als Aufgabe des Landes weggefallen ist. „Diese vom Eigentümer getroffene Entscheidung mussten wir schweren Herzens akzeptieren. Die in den nächsten Treffen der Arbeitsgruppe zu besprechenden Themen rund um den Bereich Tourismus werden von unserer städtischen Tourismusabteilung selbstverständlich unterstützt.

Auch hier gilt es, das Gestüt perspektivisch auf feste Beine zu stellen.“

Zusammensetzung der verwaltungsübergreifenden Arbeitsgruppe:

  • die Stadt Dillenburg, vertreten durch Bürgermeister Michael Lotz sowie den stellvertretenden Stadtverordnetenvorsteher Herrn Lothar Schäfer,
  • das Kreisveterinäramt des Lahn-Dill-Kreises, vertreten durch seinen Leiter, Dr. Hans Stumpf,
  • der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) als Träger des Landgestüts Dillenburg, vertreten durch den zuständigen Abteilungsleiter Michael Stein,
  • die Hessische Landestierschutzbeauftragte, Dr. Madeleine Martin,
  • der Landesbetrieb Bau und Immobilien in Hessen (LBIH), vertreten durch Niederlassungsleiter Friedhelm Dorndorf,
  • das Landwirtschaftsministerium, vertreten durch Abteilungsleiterin Annette Enders und Referatsleiterin Heidemarie Scharf.

Mehr Informationen

  • Die Hintergründe zur Debatte über das Landgestüt finden Sie hier.
  • Die vollständige Pressemitteilung des Hessischen Ministeriums finden Sie hier.

Quelle: fn-press

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