header712

DIY: Palettenboden für die Heuglocke

Wir haben unserer Heuglocke einen Palettenboden verpasst.

Nicht nur, aber vor allem wenn ein kompletter Rundballen als Futtervorlage für mehrere Tage in einer Heuglocke verstaut werden soll, ist das Einziehen eines Bodens wie eine Art „Futtertisch“ sehr zu empfehlen. Denn die Bodenfeuchtigkeit gilt immer als potentielle Quelle für verunreinigtes Heu. Je nach Verweildauer des Raufutters in der Glocke und den aktuell herrschenden Witterungsverhältnissen zieht das Heu Nässe, so dass sich schnell mal Schimmel bilden kann – der im Zweifel mit bloßem Auge nicht unbedingt zu erkennen sein muss.
Aber obwohl wir im Regelfall täglich Heu nachlegen und keinen kompletten Rundballen zur Verfügung stellen, haben wir uns für eine solche Lösung entschieden und für unsere Glocke einen Boden aus Einweg-Holzpaletten gebaut. Aus sechs Einzelpaletten entstand ein großer, runder Palettenboden. Wir haben hierfür möglichst gleich hohe Paletten ausgewählt, damit der zukünftige Futtertisch für den Innenraum der Heuglocke plan ist, also über ein einheitliches Niveau verfügt. Auf diese Weise können sich weder Pferdenasen an den hölzernen Kanten verletzen, noch sich das später zu montierende Heunetz daran unnötig aufribbeln.

Materialbedarf und Arbeitsgeräte

  • ca. 6 Holz-Paletten (hier: Einweg-)
  • 
1 Bügel- oder Stichsäge
  • 1 Akku-Bohrer (oder Schraubendreher)
  • 1 Pckg. Holzschrauben
  • evtl. Schleifmaschine bzw. –papier
  • 
evtl. gelochte Metallplatten

Jede Palette hat ihre Vergangenheit.

Daher haben wir darauf geachtet, dass das Palettenholz unbehandelt und ohne auffällige Kontaminationen behaftet ist. Je nach Einsatzbereich der Paletten in ihrem vorherigen Leben lassen sich Anhaftungen des Transportgutes nicht immer ausschließen.

Eine optische Kontrolle und eine mögliche Rücksprache mit der Quelle der Paletten schränken das Gefahrenpotential schon erheblich ein.

Beplankung – plan wie ein Futtertisch!

Die Holzplanken der verwendeten Paletten sollten darüber hinaus auch unbedingt ohne Abstände dicht nebeneinander „auf Kante“ gesetzt sein, d.h. eine durchgängige Oberfläche ohne Freiräume zwischen der Beplankung aufweisen. Lieber fegen wir in regelmäßigen Abständen den zukünftigen Palettenboden, verhindern aber auf diese Weise unnötigen Schwund an wertvollem Raufutter durch (zu große) Abstände zwischen den Holzplanken.

Gefahrenquelle Tackernadeln, Schrauben und Nägel

Wir haben auch auf die Verwendung von Paletten mit eingestanzten Tackernadeln verzichtet. Diese ragen nicht selten aus dem Holz der Paletten-Oberfläche hervor und sind – wenn man sie nicht entfernt – oftmals Quelle von schmerzhaften Verletzungen an Maul oder Zahnfleisch der Pferde. Aber auch für die Heunetze können solche dünnen Metallösen schnell zum Verhängnis werden und ihre Lebenszeit drastisch verkürzen. Durch das Fressverhalten der Pferde ist das Netz fast ständig in Bewegung und „gleitet“ bei nur noch geringem Heubestand im Inneren der Glocke permanent über die scharfkantigen Nadeln. Diese lassen das Garn schnell mürbe werden, und mehr oder weniger große Löcher sind nicht selten die Folge. Letztendlich schützt der Verzicht auf oder die – oft recht mühsame – Entfernung der Tackernadeln auch den Menschen vor wenig schönen Blessuren an den Händen bzw. vor Rissen an der Kleidung.
Selbiges gilt übrigens auch für Schrauben oder Nägel. Sie müssen entweder komplett versenkt oder entfernt werden.

Bauanleitung – eigentlich ganz easy

Unsere Paletten.
© Anke Klabunde
Unsere Paletten. © Anke Klabunde

Wer die „Radius-Variante“ präferiert, sollte sich aus einem Nagel oder einer Schraube, einem (Blei- oder Bau-)Stift und einem Stück Schnur in der passenden Länge eine Art Ersatz-Zirkel (vglb. dem aus dem Mathematikunterricht; nicht zu verwechseln mit der Dressurlektion) konstruieren. Alternativ lässt sich auch eine Holzlatte in der erforderlichen Länge als „Zirkel-Ersatz“ verwenden: An beiden Enden der Latte jeweils ein Loch bohren. In dem einen Loch wird der Nagel/die Schraube fixiert, in das andere der Stift gesteckt. Auf diese Weise ist der Abstand zwischen Drehpunkt und Zeichengerät stets konstant – bei der „Schnur-Methode“ kann es schon eher mal zu kleinen Wacklern kommen…
Bei der „Durchmesser-Version“ wird mit dem lotrecht aufgestellten Baustift eine Linie entlang der Innenkante bzw. der Innenwölbung der Heuglocke markiert – that‘s it.
Die letztgenannte Methode kann nur eine grobe Abbildung des erforderlichen Palettenbodens darstellen – ist aber aus unserer Sicht für die Version 1.0 vollkommen ausreichend. Denn noch liegen uns keine Erfahrungswerte hinsichtlich der „Verwitterungsgeschwindigkeit“ des Holzbodens aufgrund des direkten Bodenkontaktes vor. Und warum einen vergleichsweise hohen Aufwand wählen, wenn der Verrottungsprozess des Holzes eine Halbwertzeit von weniger als einem (uns gegenüber prognostizierten) Jahr aufweisen sollte?
Darüber hinaus hat sich in der „handwerklich-baulichen“ Praxis gezeigt, dass die oftmals mit mehreren Nägeln oder Schrauben fixierten Füßchen der Paletten keine Rücksicht auf die Linienführung für den Sägeschnitt nehmen – und daher nicht selten im Weg stehen. Und das Sägeblatt ist üblicherweise wenig geeignet, auch Metallteile zu durchtrennen. Deshalb sind wir dem Verlauf der vorgezeichneten Linie nur grob gefolgt und haben dabei mit der Stichsäge „den Weg des geringsten Widerstands“ gewählt.

So sieht unser Holzboden aus. © Anke Klabunde
So sieht unser Holzboden aus. © Anke Klabunde

Unser Palettenboden 1.0 erfordert nicht viel handwerkliches Geschick, aber das eine oder andere gute Handwerkszeug: Eine Bügel- oder Stichsäge, einen (Akku-)Schrauber bzw. Schraubendreher und Holzschrauben (teilweise in unterschiedlicher Länge).
Die Paletten werden so nebeneinander gelegt, dass ihre Gesamtfläche mindestens der Grundfläche des Innenradius´ der Heuglocke entspricht. Wir haben den Durchmesser unseres zukünftigen Palettenbodens ein wenig geringer als den der Heuglocke gewählt, um beim Überstülpen der Glocke ausreichend Spiel für die Justierung der Heuglocke zu haben. Außerdem haben wir den Einsatz eines Heunetzes geplant, welches mit einer noch zu definierenden „Mimik“ am Palettenboden fixiert werden soll.
Der perfekte Handwerker würde nun die Paletten zuerst komplett demontieren, alle Metallteile entfernen und das Konstrukt auf Basis einer Zeichnung zu einem neuen Werk zusammenbauen. Diesen Bearbeitungsschritt haben wir souverän übersprungen… Stattdessen nutzen wir den aus unserer Sicht bestehenden Vorteil der bereits „vormontierten“ Paletten, um mit dem geringstmöglichen Arbeitsaufwand einen ersten tragfähigen „Entwurf“ unseres zukünftigen Futtertisches 1.0 zu „bauen“.
Um den Palettenboden auch möglichst kreisrund zu gestalten, sind mehrere Methoden denkbar:

So haben wir unseren Boden ausgesägt.
© Anke Klabunde
So haben wir unseren Boden ausgesägt. © Anke Klabunde

Die einzelnen, zugeschnittenen Elemente haben wir auf der Unterseite miteinander verbunden und teilweise auch gleich stabilisiert. Dies kann mit Hilfe von gelochten Metallschienen (aus dem Baumarkt) oder Holzplanken aus dem Restbestand der Holzpaletten erfolgen. Die verwendeten Holzschrauben dürfen dabei nicht zu lang sein – sonst bilden die spitzen Enden beim Austritt an der Bodenoberfläche ein nicht zu unterschätzendes Verletzungspotential für die Pferdenasen (s.o.). 
Zu beachten ist: Je mehr Holz verbaut wird, desto schwerer wird die Palette. Wer Bedenken hinsichtlich der Stabilität seiner Heuglocke hegt, ist mit dieser Bauweise und dem hohen Eigengewicht der Palettenkonstruktion bestens bedient. Soll der Palettenboden jedoch eher so leicht wie möglich sein (Transport bzw. Standortvariation), empfiehlt sich der Verzicht auf Holzplanken und stattdessen die Verwendung von Metallplatten bzw. -verbindern.
An einigen Stellen kann es erforderlich werden, zusätzliche Paletten-Füßchen an der Unterseite anzubringen. Wir haben mehrere dieser Pressspan- oder Vollholzblöcke von den Restbeständen der Einwegpaletten demontiert und sie sicherheitshalber entlang der Außenkante unter dem Palettenboden angebracht. Wenn beim (täglichen) Befüllen der Raufe die Glocke einmal ungeschickt auf die Kante des Palettenbodens fallen sollte, bricht selbiger an jener Stelle nicht gleich aus.
Ob die Oberfläche des Palettenbodens und seine seitlichen Kanten anschließend noch abgeschliffen werden (sollten), liegt im Ermessen des jeweiligen „Palettenboden-Anwenders“: Bei sehr rauem Holz besteht immer wieder die Gefahr, Verletzungen durch Splitter davon zu tragen. Aber auch das Heunetz – so unsere Befürchtung – wird vermutlich aufgrund der täglichen Reibung unnötig strapaziert.

Mit oder ohne Heunetz?

Selbstverständlich ist die Verwendung eines Heunetzes nicht Pflicht. Manchmal kann die Vorlage von losem Heu durchaus erforderlich werden – bspw. bei schlechten Futterverwertern oder an Silvester, wenn die Tiere zur Beruhigung einen möglichst einfachen Zugang zum Raufutter erhalten sollen.
An den restlichen 364 Tagen im Jahr verwenden wir in der Heuglocke ein schlichtes Transportnetz. Das Gummiband wurde entfernt, denn auch Pferde kennen im Zweifel die Funktion solcher Bänder… Stattdessen haben wir einen (alten) Gartenschlauch mit dem größten verfügbaren Durchmesser (3/4 Zoll) und damit dem größtmöglichen Eigenwicht durch die Maschen gezogen und mit Gartenschlauchverbindern zu einem Ring montiert. Zwei Haken – an jeweils zwei gegenüber liegenden Punkten an der Unterseite des Palettenbodens angeschraubt – sichern das Netz vor der doch nicht unerheblichen Zugwirkung durch die Pferde(zähne).
Dieses Heunetz-Konstrukt lässt sich relativ einfach entfernen, soll die Raufe mit Nachschub bestückt werden. 
In der täglichen Praxis hat sich gezeigt, dass der Abstand zwischen der Heuglocken-Innenwand und dem Palettenboden allerdings auch nicht zu groß sein darf. Je nach Fressverhalten der Pferde entwickeln die Tiere teilweise eine nicht unerhebliche Kraft in dem Versuch, das Netz aus der Glocke zu ziehen.
Bei Bedarf ließe sich eventuell auch zusätzlich eine Metallkette durch den Gartenschlauch ziehen, um ein größeres Gegen-Gewicht zu erzielen.

Wir haben noch ein Heunetz in die Glocke montiert.
© Anke Klabunde
Wir haben noch ein Heunetz in die Glocke montiert. © Anke Klabunde