Equikinetic – Das Trainingsmodell von Michael Geitner

Longieren im Intervalltraining. Für seine neue Trainingsmethode hat sich Michael Geitner das Wissen über Krafttraining und Trainingslehre des Menschen zu nutze gemacht und auf die Arbeit mit Pferden übertragen.

Equikinetic

Vom isokinetischen Training zur Equikinetic

Die Equikinetic basiert auf dem Isokinetischen (aus dem Griechischen: isos = gleich, kinesis = Bewegung) Training.
Das ist eine spezielle Trainingstechnik zur Kräftigung der Muskulatur und Steigerung der Muskelkraft beim Menschen. Isokinetisches Training wird vor allem im Krafttraining angewandt und auch erfolgreich in der Rehabilitation eingesetzt. Die Besonderheit des isokinetischen Trainings im Vergleich zu dem herkömmlichen Krafttraining liegt darin, dass die Geschwindigkeit der Bewegung vorgegeben ist und der Sportler selbst den Widerstand erzeugt.

Ein neues Trainingssystem entsteht

Michael Geitner, der allseits bekannte Erfinder der Dual-Aktivierung, ehemaliger Rennpferdetrainer, Ausbilder und Buchautor hat eine neue Trainingslehre konzipiert, die Equikinetic. Bei dieser neuen Technik wird die Muskulatur unter Spannung trainiert. Die Idee dazu kam ihm, als er einen Spot zu isokinetischem Training sah, indem ein Rennpferd als Werbeträger eingesetzt wurde. Michael Geitners Interesse war sofort geweckt. Aus seiner Zeit als Rennpferdetrainer weiß er, wie unglaublich muskulös Rennpferde sind und das obwohl der alltägliche Trainingsplan eines Galoppers recht unspektakulär ist. Die Pferde laufen gerade mal 1600 Meter am Tag, aber diese Distanz legen sie unter absoluter Anspannung zurück. Michael Geitner setzte sich mit Eberhard Weiss, einem Trainerkollegen zusammen. Und die beiden überlegten, wie Pferde früher trainiert wurden:

  • Piaffieren zwischen den Pilaren. Diese Lektion ist jedoch für die meisten Freizeitreiter und deren Pferde zu anspruchsvoll.
  • Longieren in Innenstellung. Das ist bekannt und für jeden machbar.
Michael Geitner mit seinem Kaltblutfohlen

Doch wie schafft man es die Pferde dazu zu motivieren, dass sie sich anstrengen? Die Trainingszeiten sind für ein Pferd leider nicht immer vorhersehbar. Wie oft kommt es vor, dass man sich vornimmt mit seinem Pferd eine halbe Stunde an einem Problem zu arbeiten und wenn man dann Reitplatz oder Halle verlässt, sind plötzlich statt einer halben Stunde anderthalb Stunden vergangen. Es muss also ein Zeitsystem her, das ganz einfach vorgibt, was wie lange trainiert werden soll.

So entstand die Idee, Pferde in Innenstellung nach einem Zeitsystem zu longieren: Die Equikinetic war geboren.

Das erwartet Sie in diesem Artikel:

  • Warum eignet sich die Trainingsmethode für jedes Pferd?
  • Was brauche ich für die Equikinetic?
  • Wie ist der genaue Parcoursaufbau?

Eine Trainingsmethode für jedes Pferd

Die verschiedenen Stufen des Trainings, zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken

Das Pferd wird in Innenstellung 60 Sekunden durch den Parcours longiert. Dann erfolgen ein Handwechsel und 45 Sekunden Pause, in der das Pferd Ruhe hat. Auf der anderen Hand wird das Pferd nun ebenfalls 60 Sekunden in Innenstellung longiert. Dann gibt es wieder 45 Sekunden Pause und es geht auf der anderen Hand von vorne los. Das ganze bis zu acht mal. Je nach Trainingslevel kann die Dauer der Belastung auf 90 Sekunden erhöht werden. Beide Seiten werden gleichmäßig gearbeitet, d.h. es gibt eine gleiche Anzahl der Runden auf jeder Hand.
Das Programm ist in unterschiedliche Stufen aufgeteilt und richtet sich nach Trainings -, Ausbildungs- und Gesundheitszustand des Pferdes. Es sollte jedoch immer mit dem ersten Level begonnen. Michael Geitner weiß, dass es nicht immer leicht fällt den Ausbildungszustand des eigenen Pferdes zu beurteilen: Der Mensch neigt dazu, allzu schnell in ein höheres Level zu wechseln.

Trainingseffekte für’s Pferd:

  • Verbesserung der Laufanatomie,
  • Fähigkeit, sich nach beiden Seiten zu biegen und zu stellen,
  • Förderung der Balance,
  • Geraderichten,
  • Muskelaufbau,
  • Verbesserung der Kraft,
  • Pferd lernt, dem Menschen wieder zu vertrauen.

Auch das Verhältnis zwischen Mensch und Pferd verändert sich nachhaltig, denn der Mensch konzentriert sich 60 bis 90 Sekunden komplett auf sein Pferd und das Pferd merkt: „Hoppla da passt ja jemand ganz genau auf und das auch eine exakte Zeit lang.“

Freizeitreiter oder Sportreiter

Es ist völlig egal, in welcher Sparte des Reitsports oder des Freizeitreitens Sie zu Hause sind, denn es gibt kein Tun mit dem Pferd, wo es nicht die Komponenten Kraft – Gleichgewicht – Ausdauer – Körperkoordination und Muskelkoordination benötigt.
In der Reha und dem Wiederaufbau von Pferden nach Verletzungen und Krankheiten wirkt das Equikinetic-Programm wahre Wunder und auch ältere Pferde profitieren von der Trainingsmethode. Denn: Der Schlüssel für ein langes Leben ist Kraft. Schwindet die Muskelkraft, kommt es unweigerlich zum körperlichen Verfall. Wissenschaftliche Studien in den USA, Italien und Japan haben Erstaunliches ergeben: Im Rahmen dieser Studien wurde mit Senioren im Altersheim über mehrere Wochen ein Krafttraining durchgeführt. Weil sie sich wieder so fit fühlten, wollten über 30% der Teilnehmer wieder aus dem Altenheim ausziehen. Dies lässt sich auch auf Pferde übertragen.
Auch beim Jungpferdetraining kann Equikinetic eingesetzt werden, um die Muskulatur der jungen Pferde aufzubauen und diese somit auf die Zeit unter dem Sattel vorzubereiten.

Zusätzlich wird der Problematik der Überforderung entgegengewirtk, da die Pferde im Grunde nur eines lernen: richtig laufen. Bei der Equikinetic lernen die Pferde:

  • in der Kurve zu gehen,
  • mit dem hinteren, inneren Bein unter den Schwerpunkt zu treten
  • sich auszubalancieren
  • in Innenstellung in verschiedenen Tempi eine verhältnismäßig kleine Volte zu gehen.

Es gibt kein Pferd, das in dem neuen Equikinetic Programm nicht laufen (lernen) kann, es ist nur eine Frage der Intensität. So sollte zum Beispiel ein älteres oder krankes Pferd erst mal nur im Schritt gearbeitet werden, wohingegen ein gesundes, gut trainiertes Pferd auch traben kann.

Equipment

  • 4 Dual-Gassen
  • 12 Pylonen
  • Kappzaum
  • Longe mit kleinem Karabiner
  • Peitsche
  • Zeitmesser (es gibt verschiedene Zeitmesser, die als App für Smartphones angeboten werden, z.B. Gymboss Interval Timer App, HIIT Intervalltraining, Fitness-Timer App von Men’s Health)

Der Zeitmesser bewirkt Beständigkeit und vermittelt Vertrauen.
Die Zeitabstände hat Michael Geitner vom Intervalltraining abgeleitet: 60 bis 90 Sekunden Belastung, dann 30 bis 45 Sekunden Pause, dann wieder Belastung.

Die Uhr bewirkt Folgendes:

  • gibt die Höchstzeit vor,
  • Konditionieren der Pferde auf den Timer und daraus resultierend Motivation.

Parcoursaufbau

Das Pferd wird auf einer acht Meter großen Volte mit einem Innendurchmesser von 6 Metern longiert. Befürchtungen, dass die zu gehende Quadratvolte viel zu eng für das Pferd ist, sieht Michael Geitner nicht, denn der klassische Picadero, in dem schon seit vielen Jahrhunderten Pferde ausgebildet werden, hat ein Maß von 10 x 10 Metern. Trainingsversuche über die letzten Monate haben ergeben, dass ein Durchmesser von acht Metern für das Equikinetic Training optimal ist.

Die innere Begrenzung erfolgt mit Dual-Gassen, außen wird das Pferd hier mit Pylonen begrenzt. Optimal wäre für die äußere Begrenzung jedoch auch eine Dual-Gasse. Der Abstand der Pylonen zur Gasse beträgt 1-1,5 Meter. Natürlich kommen auch hier die Farben blau und gelb, die mittlerweile das Markenzeichen von Michael Geitner sind, zum Einsatz. Die Gassen und Pylonen werden abwechselnd in blau und gelb auf den Boden gelegt. Mehr zum genauen Aufbau und was es mit den Farben auf sich hat, erfahren Sie im Film.

TIPP: Innen Dual-Gassen und außen Pylonen zu platzieren bietet zwei Vorteile: Zum einen sieht man, wenn das Pferd mit der Hinterhand ausschert, da dann der Pylone umfällt und zum anderen ist es kostensparender, da nur vier Gassen anstatt acht Gassen benötigt werden.

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