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Equiplace – der Pausenplatz

Der Equiplace – die Arbeit mit dem Pausensystem ist für jede Reitweise geeignet, denn Pausen fördern die Motivation und das Lernverhalten beim Pferd.

Der Equiplace ist ein Platz, an dem Pferde sich während des Trainings entspannen können. Dies dient vor allem dazu, das Pferd motiviert zu halten, ihm Zeit zur Verarbeitung von Gelerntem zu geben und schlussendlich – überhaupt oft genug eine Pause zu machen.

Das erwartet Sie in diesem Artikel:

  • Definition,
  • Aufbau,
  • wer kann den Equiplace gebrauchen?
  • Ablauf,
  • Appellarbeit – Kommen auf Zuruf,
  • was tun, wenn…?
Mit kleinen Pausen macht lernen Spaß!
Mit kleinen Pausen macht lernen Spaß!

Der Pausenplatz oder Brotzeitraum

In einem markierten Bereich darf das Pferd sich erholen.
In einem markierten Bereich darf das Pferd sich erholen.

Der Grundgedanke zum Equiplace kommt von Eberhard Weiß, der sich das aus dem Hundetraining entliehen hat. Auch im Zirkus und bei Raubtiershows wird den Raubtieren einen festen Platz zugewiesen, an denen sie während einer Aufführung ihre Pause haben. Wichtig ist zu wissen, dass Tiere in der Pause Gelerntes speichern. Beobachtet hat Herr Weiss, dass Pferde, die zwischen den Pilaren gearbeitet wurden und nach absolvierter Lektion ihre Pause dort bekamen, sich nicht richtig erholen konnten. Logische Erklärung dafür ist, dass wenn der Pausenplatz identisch mit dem Arbeitsplatz ist, keine richtige Erholung gewährleistet ist. So entstand die Idee des extra ausgewiesenen Ruheplatzes.
Natürlich kann überall eine Pause stattfinden, doch der Equiplace ist als optischer Rahmen zu sehen, der Pferd und Mensch gleichermaßen dient: dem Pferd, weil es die Gewissheit hat, dass es im Equiplace eine Pause bekommt; dem Mensch, weil er erinnert wird, regelmäßig Pausen in das Training einzubauen.

Equiplace = Pause = Entspannung

Der Pausenplatz hilft den Pferden während der Pause ihren Puls herunter zu fahren. Pulsmessungen am Pferd haben bestätigt, dass bei Pferden, die an den Equiplace gewöhnt sind der Puls sehr schnell nach unten geht, sobald sie ihre Pause im Euiplace einnehmen dürfen. So kann man das Pferd auf Entspannung konditionieren. Ein Beispiel: Sie sind mit Ihrem Pferd auf einem Turnier oder in einer fremden Umgebung und ihr Pferd ist nervös und regt sich auf. Wenn sie nun den Equiplace aufbauen und Ihr Pferd darin abstellen, werden sie merken, dass es auch in fremder Umgebung schneller zur Ruhe kommt und sich entspannen kann, da es mit dem Pausenplatz etwas Angenehmes verbindet.

Für wen? Und warum?

Der „Equiplace“ macht faule Pferde munter

Träge oder unmotivierte Pferde können mit Hilfe des Equiplace zum Mitmachen animiert werden.

Wenn es regelmäßig Pasuen gibt, steigt die Motivation.
Wenn es regelmäßig Pasuen gibt, steigt die Motivation.

Und das geht ganz einfach: Halten Sie am Anfang des Trainings die Arbeitsphasen mit ihrem Pferd sehr kurz und gönnen Sie ihm nach jeder Arbeitseinheit eine lange Pause im Equiplace. Das Pferd weiß, dass es im Equiplace seine Pause bekommt und sich entspannen kann und wird sehr gerne den Pausenplatz ansteuern. Nun können Sie langsam die Arbeitsphase erhöhen und die Pausenzeit verkürzen. Gehen Sie dabei aber behutsam vor und Sie werden merken, dass innerhalb kürzester die Motivation beim Pferd steigt.

Gedacht ist ein Training mit aufgebauten Equiplace aber für alle Pferde jeglicher Rasse und aller Reitsportdisziplinen sinnvoll. In der Dressur unterstützt es den Lernprozess von schwierigen und komplexen Lektionen, beim Springen kann das Pferd, wenn es zu eilig und zu hastig die Hindernisse angeht, nach dem Sprung immer wieder in den Equiplace gestellt werden, sodass es sich wieder beruhigt.
Auch bei Freiheitsdressur oder Zirkuslektionen bietet sich nach jeder Übung eine Pause im Equiplace an, um das Gelernte zu verinnerlichen. Und ganz ehrlich: Natürlich tut eine Pause auch jedem Reiter gut. Man kann reflektieren, wie gut das Erarbeitete oder Gerittene war und sich für die nächste Lektion sammeln.
Auch körperlich sind Pausen wichtig: Gerade nach anstrengenden Übungen ist es sinnvoll, den Muskeln in einer kurzen Zeitspanne Erholung zu gönnen.

Ablauf – an den Pausenplatz gewöhnen

Zuerst muss das Pferd an den Equiplace gewöhnt werden. Dazu wird es an der Hand in den Pausenplatz geführt und angehalten. Verbinden Sie das Anhalten mit einem Stimmkommando wie z.B.„Whoa!“, „Steh!“, „Halt!“. So können Sie später Ihr Tier auch aus der Ferne im Equiplace anhalten. Sobald das Pferd steht, loben Sie es ausgiebig. Das Pferd soll sich entspannen. Nach ein paar Sekunden Pause führen Sie das Pferd aus dem Equiplace heraus. Achten Sie darauf, Ihren Vierbeiner immer auf beiden Händen in den Pausenraum zu führen. Wenn dem Pferd der Equiplace am Anfang nicht geheuer ist, lassen Sie es nur wenige Sekunden verweilen und führen es wieder heraus.

Tipp: Jedes Pferd hat eine Stelle, an dem es das Streicheln besonders genießt. Streicheln Sie Ihr Pferd am besten an dieser Stelle und es wird sich schneller entspannen.
Erhöhen Sie sukzessive die Verweildauer im Pausenraum. Ziel sind 30-45 Sekunden Pause.

Sobald das Pferd an der Hand gut in den Equiplace geht und dort seine Pause entspannt einnimmt, gehen Sie dazu über, das Pferd in den Platz zu longieren. Dafür wird das Pferd einmal auf dem Zirkel longiert und dann per Stimmkommando im Equiplace zum Stehen gebracht.

Auch hier gilt wieder: von beiden Seiten arbeiten.

Steht das Pferd im Equiplace, wird der Abstand Schritt für Schritt vergrößert. Über Stimm- und Handzeichen wird dem Pferd signalisiert, stehen zu bleiben. Dabei ist es wichtig, dass das Pferd seine Aufmerksamkeit auf den Longenführer gerichtet hat. Nun wird das Pferd mit Abstand aus dem Equiplace herausgeführt. Auch hier wieder auf beiden Händen arbeiten. Üben Sie erst im Schritt, wenn im Schritt alles klappt können Sie sich im Trab versuchen. Wie genau der Ablauf ist, erklärt Alexandra Schmid im nebenstehenden Film.

Appellarbeit – das Pferd lernt, auf Zuruf zu kommen

Auch hier hilft Ihnen der Equiplace

Ist Ihr Pferd mit dem Equiplace vertraut und hat gelernt im Pausenraum ruhig stehen zu bleiben, dann können Sie dies für die Appellarbeit nutzen. Dafür führen Sie das Pferd in den Equiplace und geben ihm dort seine Pause. Dann vergrößern Sie langsam den Abstand zum Pferd. Stimmkommandos wie „Bleib!“ oder „Steh!“ signalisieren dem Vierbeiner hierbei, dass er im Equiplace verbleiben soll. Um das Stimmkommando zu unterstreichen, können Sie auch die Hand oder den Zeigefinger heben und so deutlich machen, dass das Pferd zu stehen hat. Nun signalisieren Sie verbal mit „Komm!“, oder „Hier!“ dem Pferd, dass es zu Ihnen kommen darf, anfangs können Sie auch leicht an der Longe zupfen, um dem Pferd zusätzlich einen Impuls zum Losgehen zu geben. Sobald das Pferd bei Ihnen angekommen ist, loben Sie es ausgiebig. Wiederholen Sie die Appellarbeit und vergrößern sie dabei Schritt für Schritt den Abstand. Ziel ist, dass ihr Pferd auf Zuruf zu Ihnen kommt.

Tipp: Wenn Sie Ihr Pferd zu sich rufen, unterstreichen sie den Appell mit Ihrer Körpersprache, d.h. ziehen Sie Ihren Bauchnabel nach hinten und machen Sie sich ein wenig kleiner. So haben Sie eine Tendenz nach hinten und ihr Pferd wird von Ihnen angezogen werden.

Erst auf Zuruf darf das Pferd zu Ihnen kommen.
Erst auf Zuruf darf das Pferd zu Ihnen kommen.

Wichtig: Vergrößern Sie den Abstand schrittweise. Ihr Pferd muss seine Aufmerksamkeit dabei immer auf Sie gerichtet haben. Lässt sich Ihr Pferd durch Geräusche oder andere Pferde ablenken, können Sie mit einem Schnippen der Fingern wieder seine Konzentration erlangen.

Führen Sie das Pferd zurück in den Equiplace, wenn es herausgelaufen ist.
Führen Sie das Pferd zurück in den Equiplace, wenn es herausgelaufen ist.

Was tun wenn…

…das Pferd auf die Gassen tritt?

Tritt das Pferd auf die Gassen, ist das nicht schlimm. Wichtig ist nur, dass es im Pausenraum zum Stehen kommt.

…das Pferd sich aus dem Pausenraum mogelt?

Seien sie konsequent und führen das Pferd bei Bedarf ein Stück rückwärts oder touchieren es leicht mit der Gerte, um es an die richtige Position zu bringen. Wird es dabei zappelig ist es hilfreich, das Pferd nochmal komplett aus dem Equiplace heraus zu führen und dann erneut zu positionieren.

Mehr Informationen

Wenn Sie mehr über den Equiplace wissen möchten, können Sie im dazu passenden Buch nachlesen.

Mehr Infos zu den Trainern Alexandra Schmid und Michael Geitner gibt’s auf deren Websites:

http://www.pferdetraining-allgaeu.de/
http://www.pferde-ausbildung.de/