Goodbye Sam: Michael Jungs Ausnahmepferd geht in Rente

La Biosthetique Sam FBW in Stuttgart offiziell aus dem Sport verabschiedet

Großer Abschiedsapplaus für einen Helden.

In der Pause des Indoor-Derbys bei den Stuttgarter German Masters hat Michael Jung sein Erfolgspferd La Biostethique Sam FBW offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Sam war zwar selbst nicht live dabei, wurde aber mittels Videos seiner Karriere und jüngsten Bildern aus dem Stall im Familien- und Freundeskreises in die Schleyer-Halle projiziert.

„Wir haben alles zusammen gewonnen, hatten tolle Erlebnisse auf den Championaten. Ich wünsche dir jetzt eine ganz schöne Zeit auf deiner Lieblingskoppel. Wir werden noch viel ausreiten gehen und sicher auch noch den ein oder anderen Geländesprung machen“,

bedankte sich Michael Jung, der wegen seiner Schulterverletzung in diesem Jahr selbst nicht in Stuttgart am Start sein kann, bei seinem langjährigen Sportpartner.
So endet Sams Karriere, wie sie begonnen hat: ohne Getöse, ohne Wow-Effekt, eher unspektakulär. Es war 2005, als der bislang im Nachwuchssport hocherfolgreiche Michael Jung mit einem unauffälligen braunen Württemberger namens Sam the Schwäbisch Man bei den Bundeschampionaten in Warendorf auftaucht und dort Fünfter wird. Zu schlecht für einen Medaillenrang zeigt sich der Sohn des Vollblüters Stan the Man xx aus der Zucht von Günter Seitter (Aidlingen) damals in der Dressur. Ein Jahr später sehen Richter und Zuschauer die beiden auf Platz sechs – ohne zu ahnen, welches Ausnahmetalent da über den Platz galoppiert. Einen ersten Eindruck davon bekommen die Beobachter der Szene bei den Weltmeisterschaften der Jungen Vielseitigkeitspferde im französischen Le Lion-d’Angers, wo Sam zwei Mal die Silbermedaille (2006 und 2007) gewinnt. Zwei Jahre später sind Jung und sein Brauner, der inzwischen La Biosthetique Sam FBW heißt, an der nationalen Spitze angekommen. Sie gewinnen nicht nur das CCI4* Luhmühlen und das Weltcup-Finale in Strzegom, sondern werden auch für die Europameisterschaften nominiert. In Fontainebleau holen sie Bronze und geben damit einen Vorgeschmack auf das was folgt: Gold bei den Weltmeisterschaften 2010 in Kentucky/USA, Doppel-Gold bei den

Europameisterschaften 2011 in Luhmühlen und 2012 Doppel-Gold bei den Olympischen Spielen in London. „Sam-sationell“ titeln die Gazetten nach London, denn Sam ist gelungen, was bislang kein anderer Vielseitigkeitsreiter erreicht hat: den Titel des Weltmeisters, Europameisters und Olympiasiegers gleichzeitig auf sich zu vereinen.
Es soll nicht bei diesem Triumph bleiben. Neben seinen Championatserfolgen gewinnt Sam, fast alle wichtigen Vielseitigkeitsprüfungen dieser Welt. Durch seine Siege in den CCI4* Burghley (2015) und Badminton (2016) verhilft er Jung als zweitem Reiter überhaupt zum Gewinn des Grand Slam und krönt dessen bislang einzigartige Karriere durch den erneuten Sieg bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro.

„Aufgrund seines hohen Vollblutanteils lag ihm der Geländeteil immer besonders gut“,

sagt Michael Jung über seinen vierbeinigen Star, den er als sensiblen Einzelgänger beschreibt.
Nach Rio gibt Michael Jung bekannt, Sam nur noch dosiert im Sport einzusetzen und keine Championate mehr zu bestreiten.

„Ich möchte jederzeit aufhören können, wenn ich merke, dass er keinen Spaß mehr hat“,

begründete Jung diesen Schritt. Beweisen musste Sam auch nichts mehr. In seiner fast 13 Jahre langen Karriere hat er fast 60 internationale Turniere unter den ersten Fünf beendet, konnte 23 davon gewinnen.

Mit ihm verlässt einer der Größten die Weltbühne des Sports.

Quelle: fn-press

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