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Paddock Trail: Knabberhölzer (für Pferde) selber ziehen

Mit dem Konzept des Paddock Trails verbindet sich eine möglichst naturnahe Pferdehaltung.

Wenn die domestizierten und unter menschlicher Obhut lebenden Pferde die freie Wahl hätten, würden sie – neben Gras und Kräutern – auch andere Pflanzen konsumieren. Blätter, Blüten, Früchte, Triebe, Zweige, Rinde, aber auch Samen und Wurzeln von Büschen, Bäumen und Hecken stehen auf dem Speiseplan der Vierbeiner ziemlich weit oben.
Vor allem, aber nicht nur bei begrenzten Platzverhältnissen stellt eine vertikale Erweiterung des Futterangebotes eine sinnvolle Ergänzung zu Frischfutter, wie Gras, oder Konserve, wie Heu, dar. Doch nicht jeder Pferdebesitzer und Halter ist auch ein ausgewiesener Pflanzenexperte. Nachfolgend möchten wir deshalb Ideen und Anregungen liefern, damit auch der gärtnerische Laie mit wenig Aufwand und kleinen Maßnahmen schnell Erfolge bei seiner Grünlandpflege erzielen kann – zum Vorteil seiner Vierbeiner.

Am besten werden die Stecklinge im Herbst oder Frühjahr gesetzt. © Anke Klabunde
Am besten werden die Stecklinge im Herbst oder Frühjahr gesetzt. © Anke Klabunde

Die sogenannte Laub-Ernte kann ganz unterschiedlich erfolgen. Nicht nur, aber vor allem im Süden Deutschlands werden Weiden gerne stark zurückgeschnitten. Bereits als Jungbaum muss bei dieser Vorgehensweise der Stamm spätestens alle zwei Jahre auf einer Höhe von ein bis drei Metern eingekürzt werden. An der Schnittfläche treibt der auf diese Weise behandelte Baum in großer Zahl neue Triebe aus, die regelmäßig beschnitten und zur Nutzung als frisches oder für den Winter konserviertes Gehölzfutter zur Verfügung stehen. Durch das „Schneiteln“ verdickt sich im Laufe der Zeit der oberste Bereich des Stammes, und es entsteht die Anmutung eines „Kopfes“. Für verschiedene Vogelarten sind diese Kopfweiden Nistplatz und Brutbiotop zugleich – auch wenn die in dieser Form „amputierten“ Bäume oftmals sehr bizarr wirken…
Im Grunde kann aber auch die etwas weniger drastische Variante der Ernte zum Einsatz kommen, bei der die Zweige nach Augenmaß entfernt werden – allerdings wird dies später einmal nur noch schwer zu realisieren sein bei einer für einige ihrer Baumarten zu erwartenden Wuchshöhe von 30 bis 45 Metern. Denn irgendwann ist das gut erreichbare, untere Astwerk entweder komplett entfernt (in Abhängigkeit von der bisher „entnommenen“ Menge), oder es stehen nur noch ausgesprochen feine Triebe zur Verfügung. Die Kauintensität beim „Vespern“ des Gehölzes ist dann sicherlich geringer – für vor allem ältere Pferde wird dann aus dem vermeintlichen Nachteil aber auch wieder ein Vorteil…

Wir haben getestet!

Wir haben im Winter mehr als 20 Weidensteckhölzer entlang des Paddock Trails und auf einer der beiden Innenweiden angepflanzt. Einige davon sollen später während der Grünlandsaison bei temporärem Weidegang für die Pferde frei zugänglich sein, an anderen, zumeist entlang des Tracks gesetzten, aber ausgezäunten Bäumen können die Tiere jederzeit bei Bedarf über den Zaun hinweg naschen. Wieder einige Weiden möchten wir rechtzeitig im Sommer „ernten“, um das Blattwerk als Laubfutter für den Winter zu konservieren. Evtl. planen wir für den Herbst noch die Ernte von weichem Astwerk und von jungen Trieben als Reisigfutter für die dunkle Jahreszeit.

Wasserbedarf der Weiden nicht unterschätzen

Der Wasserbedarf von Weiden ist enorm. In der Nähe von Weiden können viele andere Pflanzen nicht überleben – sie verdursten sprichwörtlich. Bei der Planung der Setzling-Standorte sollte dies daher unbedingt berücksichtigt werden.
Weiden zieht es auch grundsätzlich zum Wasser! Nicht nur wegen ihrer stattlichen Höhe sollten diese Bäume daher nicht zu dicht an Gebäuden platziert werden. Es gibt durchaus Fälle, in denen die Weidenwurzeln das unterirdische Kanalisationssystem gesprengt oder verstopft haben – mit gravierenden Folgen für manchen Hausbesitzer.
Darüber hinaus müssen beim Anpflanzen von Bäumen bundeslandspezifische Regelungen hinsichtlich des Mindestabstands zum Zaun des Nachbarn berücksichtigt werden. Einige Bundesländer regeln sogar die Wuchshöhe und beschränken diese. Im Hinblick auf den nachbarschaftlichen Frieden ist dann die „Kopfbaum-Lösung“ häufig das geringere „Übel“.

Aus und mit Weiden lassen sich auch pflanztechnisch ganz unterschiedliche Weidenobjekte schaffen: Werden mehrere Steckhölzer in einem eher geringen Abstand von ca. 50 Zentimetern gesetzt und die entstehenden Seitentriebe schon frühzeitig miteinander verflochten, kann auf diese Weise ein natürlicher Wind- und/oder Sichtschutz gestaltet werden. Parallel in zwei Reihen eingepflanzte Stecklinge können später zu einem Weidentunnel „getrimmt“ werden. Hierzu werden ab der gewünschten Höhe – bei einer geplanten Nutzung durch Pferde bspw. ab ca. drei Metern – die Zweige der sich gegenüberstehenden Bäumchen als zukünftige Dachkonstruktion miteinander verwoben. Wer bei seinem Tunnel auch geschlossene Seitenwände präferiert, sollte – wie bei oben beschriebenen Windschutz – auch die Seitentriebe rechtzetig miteinander verflechten.

Für Einsteiger bieten sich vor allem die recht anspruchslosen, genügsamen und sehr fehlertoleranten Weidenbäume an, von denen es weltweit ca. 450 Arten gibt und die mit ihrer „Wegwerfmentalität“ auch später für reichlich Gehölzfutter sorgen. Denn die bei den Pferden ausgesprochen beliebten Pionierpflanzen werfen selbst im Sommer ihr Astwerk als sogenannte Absprünge ab – das sind belaubte Zweige, die an einer spezifisch dafür entwickelten Stelle in der Zweigbasis aktiv abgestoßen werden. Das macht sie als Futterbäume auch so interessant.

 Armdicke Stecklinge – also ehemalige Äste eines „Mutterbaumes“ – werden am besten im regenreichen Herbst bis zu einem Drittel ihrer Gesamtlänge in den Erdboden eingebracht. Aber auch im Frühjahr lassen sich Pflanzungen vornehmen – dann muss in der Anfangszeit nur für regelmäßige und ausreichende Wässerung „von Hand“ gesorgt werden. Ein sogenannter Lochbohrer erleichtert die Arbeit ungemein, um die erforderliche Setztiefe in kürzester Zeit zu erhalten.
Wer es besonders sorgfältig machen bzw. seinen zukünftigen Futterbäumen eine höhere Erfolgswahrscheinlichkeit für das Anwachsen sichern möchte, der stellt sie zuvor für ca. zwei Wochen (+/-) in ein Wasserbad. Dann treiben sie schneller Wurzeln, die nicht nur den Halt der Pflanze, sondern auch die Nährstoff- und Wasserversorgung verbessern sollen. Allerdings gehen die Meinungen der Experten ein wenig auseinander – denn die im Wasserbad ausgebildeten Wurzeln werden im Erdreich sowieso durch neue unterirdische Triebe ersetzt. Aus diesem Grund liegt die Entscheidung über die bevorzugte Vorgehensweise beim Setzen von Weiden im Ermessen des „Neu-Gärtners“.
Weiden wachsen übrigens sehr schnell, vor allem in ihrer Jugend – Jahrestriebe von einem Meter und mehr sind daher nichts Besonderes.

Weiden müssen vor den gefräßigen Pferdemäulern geschützt und zwingend ausgezäunt werden, sollen sie die An- und spätere Aufwuchs-Phase gut überstehen. Nicht nur die zarte Rinde der Baum-Youngster ist offensichtlich einfach zu schmackhaft, auch die Kätzchen gelten als Delikatesse. Nicht von ungefähr werden vor allem Wildpferde als Landschaftspfleger eingesetzt, denn die Vierbeiner sind nicht nur für den Verbiss horizontaler Weiden bekannt… Erst ab einer bestimmten Stamm- bzw. Rindenstärke können die Weiden den scharfen Zähnen ganz gut widerstehen bzw. steht das zunehmend harte Holz irgendwann nicht mehr ganz oben auf der Liste der von den Pferden präferierten Baumbestandteile.
Die Anzahl der zu setzenden Stecklinge richtet sich u.a. nach der Anzahl der damit zu versorgenden Tiere. Ist der entsprechende Platz vorhanden und sollen die Pferde auch hier freien Zugang haben, sind durchaus größere Stückzahlen erforderlich. Ein unbegrenzter Zugriff ist nur dann empfehlenswert, wenn die Tiere wirklich ausreichend mit Heu versorgt sind und nach Möglichkeit auch auf andere Gehölze zugreifen können. Der einseitige Konsum von Weiden im Übermaß ist – wie bei vielen anderen Futtermitteln und Pflanzen auch – selten wirklich ratsam.

So sahen die Anfänge aus. © Anke Klabunde
So sahen die Anfänge aus. © Anke Klabunde