Portrait: Sandy Kien

Exklusiv für uns, und überhaupt zum ersten Mal, gibt die Autorin ein so ausführliches Interview und gewährt uns damit einen Einblick in ihre Arbeit und ihr Privatleben.

Wer die Autorin Sandy Kien noch nicht kennt, sollte das schnellstens ändern! Sie bringt nicht nur unheimlich viel Gefühl mit in ihre Bücher, sondern schreibt auch packend, actionreich und spannend – einmal angefangen, möchte man das Buch gar nicht mehr weglegen!

Stell dich doch zu Beginn kurz einmal vor – woher kommst du und wo lebst du?

Mich vorstellen??? Das ist leichter gesagt als getan. Also, meinen Namen kennt schon jeder, Sandy Kien und weil mein Alter unerheblich ist, werde ich jedes Jahr 25 und bin auf FB sogar über 100 Jahre alt. Ich gehe nach dem Motto, man ist so jung, wie man sich fühlt.
Ich bin in Amerika groß geworden, obwohl ich eigentlich in Deutschland geboren wurde. Daran kann ich mich aber beim besten Willen nicht mehr erinnern. Mein Vater hatte einen Job in den Staaten und seine Familie durfte mit. Dort hatte ich auch den ersten wilden Kontakt zu Pferden, denn jedes Wochenende ging es mehrere Stunden durch die Prärie.
Nach der Scheidung meiner Eltern zogen wir nach Österreich zu meinen Großeltern. Nun, ortstreu war ich nie. Heute ist Reintal, ein Miniort an der Tschechischen Grenze im Weinviertel Österreichs mein Zuhause. Dort habe ich eine Ranch, wo meine Hunde und Pferde mit mir leben.

Du schreibst viele Pferdebücher, in denen sehr deutlich wird, dass du über viel Pferdewissen verfügst – hast du selber auch Pferde?

Klar, Pferde gehören zu meinem Leben, wie das Salz in die Suppe …. hahahaha.

Ich bin ein großer Verfechter der Westernreiterei, da ich sie in den USA praktiziert habe.

Ich habe zwei Quarterhorsepferde, zwei Appaloosa, einen Azteka und ja … unsere Übernahme. Amor ist ein Araber-Haflinger und nachdem er auf der Karl May Bühne nicht mehr gebraucht wurde, kam er zu uns. Eine Seele von einem Pferd, auch wenn er ein wenig dick ist.

Wie bist du zu den Pferden und zum Reiten gekommen?

Meine ersten Kontakte zu Pferden und meine ersten langen Strecken waren jene in Amerika. Mitten durchs Nirwana. Meine Eltern und ich blieben auch oft über Nacht auf einer staubalten Ranch, die eigens für Vollzeitverrückte vermietet wurde. Lagerfeuer draußen, geschlafen wurde im Heu – eine herrliche Zeit.

Dort wurde ich mit dem Pferdevirus angesteckt.

Als Erwachsene habe ich dieses Land nochmal besucht und auf der Ranch einen Dakotaindianer kennengelernt, der mich nicht nur in seine Gedankenwelt gelassen hat, sondern mir auch Sichtweisen gezeigt hat, auf die ich nie gekommen wäre. Auch was Pferde betrifft, hatte er ein unglaubliches Wissen und dieses mit mir geteilt. Wir haben viel gemeinsam gemacht und ich habe Dinge von diesem Menschen gelernt, die ich sonst nie gelernt hätte. Es war eine einzigartige Zeit, die ich nie missen möchte, denn mein Grundwissen über Pferde lernte ich von John Jack, alles andere lernt man dazu, wenn man die Fähigkeit hat, zu beobachten und die stillen Worte der Pferde zu verstehen.

Du züchtest auch eine eigene Hunderasse – was hat dich hierzu inspiriert/gebracht?

Ja, meine Sandros Leisha Dogs. Wer Pferde hat, hat automatisch Hunde. Ich habe mich schon immer für Wölfe, Hunde, auch für die Zucht interessiert und mir geht es bis heute am Keks, dass man durch gezielte Selektion aus Hunden Kreaturen macht, die mit Degenerationsfehlern zu kämpfen haben. Dazu kommt die immerwährende Inzucht, der ich absolut nichts abgewinnen kann, weswegen ich auch Pferde züchte, die nicht unbedingt als rasserein zu bezeichnen sind, vom Quarterhorse mal abgesehen, das auch lange mit dem Engl. Vollblut eingekreuzt wurde, damit es ein Quarterhorse wurde.
Also guckte ich mal, was die Natur so macht. Es gibt unterschiedliche Wölfe, den Europäischen oder auch den Nordamerikanischen. Aber sie haben alle eines gemein: Keine Verzüchtungen, die sie daran hindern, zu existieren.
Dann entdeckte ich eines Tages den Carolina Dog und dachte mir … that’s it. Man kann etwas ändern, man muss es nur tun und ich habe begonnen den Sandros Leisha Wolfsschäferhund zu kreieren. Heute ist die Rasse auf mich patentiert. Doch, ich kann ganz stolz sein, sowas geschaffen zu haben.

Wie bist du auf die Idee gekommen Bücher zu schreiben?

Das ist eine mehr als lustige Sache. Als Kind, so etwa mit neun Jahren, bekam ich ein in Schreibschrift geschriebenes Buch in die Hand, welches eigentlich ganz spannend war, bis ich zum Ende kam. Es hat mir um die Burg nicht gepasst. Also habe ich das Buch abgeschrieben … wirklich, ich war so bescheuert … und habe das Ende neu erfunden. Danach dachte ich mir, ich könnte eigentlich die gesamte Geschichte selbst schreiben und habe tonnenweise Schulhefte vollgeschrieben. War das Schulheft aus, war auch das „Buch“ fertig. So habe ich meine Schreiberei trainiert. Damals gab es weder elektrische Schreibmaschinen, schon gar keine Computer. Man musste alles mit der Hand schreiben. Es hat ewig gedauert und man schrieb meist nicht besonders viel. Nach einer Zeit fangen die Finger ganz schön zu krachen an. Aber ich habe nie damit aufgehört, mein erstes Skript sogar noch auf einer alten mechanischen Schreibmaschine gehämmert, dabei auch ziemlich viel Tipp-Ex verbraucht, denn für’s Vertippen gab es keine Korrekturtaste. Es war schon mühsam, aber aufgehört habe ich dennoch nie.

Hast du einen Autor/eine Autorin als Vorbild? Oder von wem liest du am liebsten Bücher?

Ich habe sehr wenig Zeit, selbst zu lesen. Ab und zu mache ich das in der Badewanne, aber wie gesagt, eher selten. Meine Tiere, der Hof und meine eigene Schreiberei lassen mir einfach keine Zeit. Aber als Jugendliche habe ich Karl May in mich hineingesaugt. Natürlich sind mir die ganzen „Winnetou“ Bücher, wie auch die Bücher, die sich im Nahen Osten abgespielt haben, ein Begriff. Es gab das Pferd Iltschi, von Winnetou, Hatatitla von Old Shatterhand, Rih von Kara Ben Nemsi. Wie die Märe von Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abas Ibn Hadschi Davud al Gossarah hieß, weiß ich nicht mehr. Karl Mays Schreibstil war für mich damals sehr witzig und er schrieb spannend. Heute, naja, man muss eben vierzehn sein, um diese Bücher cool zu finden. Heute ist die Geschichte um Winnetou leider schon sehr abgedroschen und alt. Aber für mich bleibt Karl May mein Autor, der mich inspiriert hat, einen Roman in der Wüste zu schreiben.

Sandy Kien hat bisher auch einige Fachbücher zum Thema Hund geschrieben.

Welches ist dein Lieblingsgenre?

Abenteuer und Fantasy. Ganz eindeutig. Natürlich habe ich auch schon Sachbücher geschrieben. Das erste deutschsprachige Buch über den Holländischen Schäferhund stammt von mir, genauso wie es ein ganz tolles Buch über den Jack Russell Terrier gibt. Ich habe mich mit dem Thema „Bissige Hunde“ beschäftigt und auch schon ein Buch über den Sandros Leisha Dog geschrieben.

Fans meinen, meine Sachbücher lesen sich schon fast wie Romane.

Aber grundsätzlich tauche ich lieber in eine andere Welt und richte mir alles so, wie ich es haben will, damit es nie wieder ein Ende gibt, welches mir nicht gefällt, grins.

Hast du eine bestimmte Zeit, in der du am besten schreiben kannst?

Die hätte ich meistens Vormittags, da geht es aber meist nicht, da es viele Tiere gibt, die versorgt werden wollen. Ich schreibe dann, wenn ich dazu Zeit und Lust habe. Regenwetter inspiriert mich besonders. Nach einer Hitzeperiode, wenn es den ganzen Tag pisst oder im Winter, wenn es draußen stürmt und schneit. Wuuuuhahaha, dann sitze ich eingewickelt in einer Decke vor dem PC und schreibe wie blöd.

Hast du einen besonderen Ort, an dem du gerne schreibst?

Logo, mein Büro. Hinter mir ein heulender Wolf an der Wand, rund um mich Relikte meiner indianischen Kontakte in Amerika und Erinnerungen meines Freundes John Jack Black Hawk. Mein Büro ist ein heiliger Ort, den man mit Bedacht und Respekt betreten sollte.

Sandy Kien kann am Besten in ihrem Büro schreiben.

Wie sieht dein perfekter Schreibtag aus?

Die Gedanken müssen sich überschlagen, man ist mitten in der Geschichte drinnen, will gar nicht raus, empfindet alles, was real ist (Mama, wann gibt’s was zu essen?) als Störung und wenn dann auch noch der Mann nervt, hegt man Mordabsichten. Der perfekte Tag zum Schreiben ist jener, wenn man seinen PC heiraten will, vor dem Bildschirm heult oder auch lacht. Je nachdem, welche Szene ich gerade beschreibe. Läuft dann auch noch die entsprechende Musik im Hintergrund, ist mein Drehstuhl mein bester Freund für meinen Hintern und meine Finger jagen die Buchstaben.

Planst du deine Geschichten oder schreibst du einfach darauf los?

Das ist auch eher eigen. Manchmal habe ich eine Spontanidee, die ich lange mit mir herumtrage. Dabei entwickelt sie sich und irgendwann, wenn es passt, schreibe ich sie nieder. Dabei plane ich gar nichts, denn die Geschichte wird hundertprozentig anders, als ich vorher dachte. Ich lasse mich von der Story inspirieren und gucke mal, was wird. Manchmal muss ich dabei über mich selbst lachen oder auch wundern, wie anders alles geworden ist. Aber ein Gerüst gibt es vorher nie, ich würde mich nie daran halten.

Wenn Sandy Kien Stimmungen oder Gefühle in Büchern beschreibt, versucht sie sich in diese hineinzuversetzen.

Wie transportierst du Stimmungen und Gefühle?

Ich bin ein ziemlich energiegeladener, arbeitssüchtiger Mensch, der ständig und immerzu auf den Beinen ist. Mein Mann sagt immer wieder, er will eine Blutprobe von mir haben, um zu sehen, was bei mir kaputt ist … Dazu sehe ich meist alles sehr positiv. Probleme sind da, um sie zu lösen und nicht, um daran zu verrecken, wie auch das Leben eine ständige Herausforderung ist. Geht es mir schlecht, setze ich mich auf mein Pferd und raus ins Gemüse. Wenn ich Stimmungen oder Gefühle in Büchern beschreibe, versuche ich mich hineinzuversetzen. Wie denkt derjenige, wie kommt es an? Manchmal ist es ganz schwer Gefühle in Worte zu fassen. Aber meine Bücher leben von gefühlvollen Szenen, die jeder liebt und lesen will. Dafür lasse ich mir auch Zeit und lese sie selbst immer und immer wieder durch, bis ich sage … passt. Dabei erfinde ich sogar neue Wörter. Meine Lektorin sagt dazu „Sandy-kreative-Wortschöpfung“. Ich mag es und es gehört zu mir. Wenn Leser mir sagen, sie hätten beim Lesen dort und da geheult, weiß ich genau, dass alles so angekommen ist, wie ich es sagen wollte. „Das Leuchten nach dem Regenbogen“, war eine Emotionslawine. Wirklich harter Tobak und trotzdem ein soooo tolles Buch.

In deinen Büchern geht es oft um eine sehr innige Beziehung zwischen Mensch und Pferd/Tier – Hast du selbst eine solche Beziehung?

Oh ja, das habe ich. JW Panic Power ist mein Appaloosahengst. Ich habe ihn zweieinhalbjährige gekauft und bin fast an ihm verzweifelt. Er mochte keine Menschen und hat ständig versucht, mir bewusst weh zu tun. Normalerweise hätte jeder so ein Pferd verwurstet, welches einen versucht umzubringen, aber da war was in seinen Augen … ich weiß nicht, ich habe nicht aufgegeben. Eineinhalb Jahre nicht und das ist eine verdammt lange Zeit, wenn man sich nicht sicher ist … tötet er dich oder tötet er dich nicht. Er hat mich nicht getötet. Es war vermutlich ein schleichender Prozess, aber auf einmal war er „mein Pferd“, „mein Hengst“, „meine Seele!“. Noch nie saß ein anderer auf seinem Rücken. Das, was er kann, kann er von mir. Er war ein Reiningprofi, ein Distanztalent und ist jetzt in Pension, aber noch immer fit genug, mit mir durch die Gegend zu sausen. JW und ich gehen durch dick und dünn. Ein Verlasspferd der Extraklasse. Nie würde er mir etwas tun, auch anderen nicht, solange sie am Boden stehen. Er guckt zwar gepisst, wenn jemand anderer ihn zudeckt, aber das war‘s auch schon. JW ist eine Einzigartigkeit und ja … seine Tochter wurde heuer geboren und ist eine kleine freche Laus, die ständig türmt. Ein Hengstfohlen von ihm wäre noch mein Wunsch. Er wird nicht mehr ewig sein, aber ich hoffe dennoch, dass ich ihn noch lange habe.

Bei ihrem Buch "Shir Khan", hat Sandy Kien eigene Erlebnisse mit ihrem Hengst JW einfließen lassen.

Was inspiriert dich zu deinen Romanen?

Das ist unterschiedlich. Mal eine Szene in einem Film, mal etwas, was ich beim Einkaufen sehe, mal ein Traum, mal ein Video auf YouTube. Überall lauern Inspirationen und manchmal verfolgt mich eine.

Was fällt dir beim Schreiben besonders leicht, was eher schwer?

Beim Schreiben gar nichts, aber Schreibblockaden sind die reinste Hölle. Man sitzt da und hat keine Ahnung, wie es weitergehen soll. Rollos sind unten, Schranken zu. Das ist zum aus der Haut fahren. Man will, aber es geht nicht. Ich habe schon Stunden vor dem PC zugebracht und keine drei Worte geschrieben, die Welt verflucht und Musik gehört. Auch Schokolade essen hilft nicht, man wird nur fett. Sonderbar wird es dann, wenn man dann auf einmal auf dem stillen Örtchen eine richtig dicke, fette Idee hat …

Gibt es in deinem Leben ein Ereignis oder eine Erfahrung, die dich zu einem Buch oder einer Geschichte inspiriert hat?

In meinem Leben passiert ständig etwas, was ich ganz gerne dort und da verarbeite. Aber nichts so Gravierendes, dass ich eine eigene Story daraus machen könnte.

Als ich Shir Khan schrieb, Becky in den Corral geflogen ist und einem Killerpferd gegenüberstand, hatte ich JW vor Augen, denn auch er war ein gemeines Monster.

Meine Arbeitsweise richtet sich viel nach dem Pferd. In Shir Khan habe ich fallweise beschrieben, wie es mir mit meinem Hengst gegangen ist und auch Shir Khan wurde Beckys Seelenpferd.

Hast du schon neue Buchprojekte in Planung?

Ich habe ständig neue Ideen, aber keine Zeit, sie alle in der Geschwindigkeit zu zeigen, wie ich gerne möchte. Da würde ich ein oder zwei Sandy-Klone benötigen.

Ich habe mit „Oma Frost“ begonnen und diese Kinder- und Jugendbuchreihe will ich weiterschreiben. Ich habe da ein Einhorn, einen Drachen und einen Greif, dazu eine Oma, die begnadete Kräfte hat, zwei ihrer Enkel, die mit Feuer und Eis umgehen können und dann Eddy … Verliebt in einen Vogel, seinen Greif. Es ist so märchenhaft schön, sowas zu schreiben und hinterher zu hören, das selbst Erwachsene zu diesem Buch greifen. Dann kommt jetzt sehr bald der dritte Teil von „39 Kinder“ raus. Auf den warten auch schon viele.

Dann hätte ich noch eine Idee im Kopf … ne ne ne … ich verrate jetzt nix. Wäre ja fies. Jedenfalls wird es wieder was für Herz und Seele.

Wir dürfen schon auf die neuen Buchprojekte von Sandy gespannt sein...

Mehr Informationen zu Sandy Kien finden Sie auf ihrer Website: www.silvermoonkennel.com

Vielen Dank für das tolle und aufschlussreiche Interview! Wir freuen uns schon auf viele weitere spannende und emotionale Bücher von Dir!

Alle Bücher von Sandy Kien im Überblick

  • Oma Frost: Und die Neuen aus Alaska
  • Das Auge des Wolfes
  • 39 Kinder: Und ein Mann Teil 1
  • 39 Kinder: Panda komm zurück Teil 2
  • 39 Kinder: Amazing Grace
  • Whisper
  • Schwingen der Freiheit
  • Silvermoon Teil 1
  • Silvermoon Teil 2
  • Entführt
  • Shir Khan: Mit dem Teufel durch die Wüste Teil 1
  • Shir Khan: Mit dem Teufel durch die Wüste Teil 2
  • Shir Khan: Geist und Seele des Teufels Teil 3
  • Shir Khan: Die Wüste lebt Teil 4
  • The Devil – Schattige Momente
  • Mondlicht
  • Nachts, wenn die Wölfe kommen
  • Alkatrass
  • Alkatrass – Die Chance
  • Das Leuchten nach dem Regenbogen
  • Shy
  • Weihnachten der Tiere

Sachbücher:

  • Holländischer Schäferhund: Expertenwissen Hunderassen
  • Der Sandros Leisha Dog: Ein nordischer Wolfsschäferhund
  • Vorsicht bissiger Hund
  • Mit Russel Terriern leben: Jack und Parson Russel Terrier halten und züchten
  • Ich bin Mitglied eines Hunderudels

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