Reitübung 115: Sensibilisierung auf Gewichts- und Schenkelhilfen

Heute stellen wir Ihnen eine Übung zur Verbesserung der Gewichts- und Schenkelhilfen vor. Sie verdeutlicht, wie wenig man eigentlich mit dem Zügel einwirken muss und stattdessen mit Gewicht und Schenkel zum Ziel kommt.

Was trainiere ich?

Pferd:
Das Vertrauen in die Reiterhand wird gestärkt, da sich diese ruhig verhält und im Maul nicht stört. Dabei wird die Balance verbessert und die Reaktion auf feine Hilfen von Gewicht und Schenkeln verbessert. Des Weiteren werden die Durchlässigkeit und Anlehnung gefördert und verbessert. Eine fehlerhafte Anlehnung wird sichtbar, wenn das Pferd nicht am äußeren Zügel läuft, da es sich dann nur sehr schwer abwenden lässt.

Reiter:
Der Reiter übt sich im Gleichgewicht und verbessert dadurch seinen Sitz. Der Körper wird lockerer und der Reiter sitzt dadurch geschmeidiger. Beim Reiten von Wendungen lernt der Reiter, sich mit dem Pferd zu stellen. Er bekommt somit ein Gefühl für das richtige Sitzen in Wendungen, dadurch wird der Drehsitz geschult.
Der Drehsitz wird für das Reiten von Wendungen benötigt, das heißt, die äußere Hüfte kommt vor und das innere Knie bekommt eine tiefere Lage. Der äußere Schenkel geht leicht zurück, wodurch die äußere Schulter sich leicht nach innen in die Wendung dreht.
Außerdem lernt der Reiter nicht den inneren Zügel zum „Tricksen“ zu verwenden. Ein weiterer Lerneffekt ist die Konzentration auf Gewichts- und Schenkelhilfen: Ohne die beidseitigen Zügelhilfen rückt die Einwirkung von Gewicht und Schenkel in den Vordergrund. Zusätzlich kann man sich nun nicht mehr am Zügel festhalten, was zu einem geraderen und tieferen Sitz führt.

Was benötige ich ?

  • 2 Hütchen
  • eine Reithalle oder einen Reitplatz

Wenn Sie schon geübter sind, können Sie die Übung auch im Gelände einbauen.
Stellen Sie jeweils bei A und C ein Hütchen in die Zirkelmitte.

Ablauf

Nach ausreichender Aufwärmearbeit kann diese Übung begonnen werden.
Nehmen Sie Ihre Zügel in die äußere Hand, da es für den ungeübten Englischreiter ungewohnt ist mit einer Hand zu reiten und somit der Reiter weiterhin die wichtigere äußere Zügelhilfe geben kann. Die freie Hand kann entweder auf dem Oberschenkel abgelegt oder hinter dem Rücken verschränkt werden. Jetzt traben Sie an. Dabei können Sie je nach Gefühl entscheiden leichtzutraben oder auszusitzen. Reiten sie zunächst ganze Bahn, bis Sie sich an die einhändige Zügelführung gewöhnt haben. Sobald sie sicher sind, wenden Sie auf einen Zirkel bei A oder C ab.
Durch die einhändige Zügelführung entfällt die innere Zügelhilfe, das heißt, Sie müssen vermehrt mit Gewichts- und Schenkelhilfen arbeiten. Der äußere Zügel wird an den Hals des Pferdes angelehnt. Verkleinern Sie den Zirkel, bis Sie den Abstand um das Hütchen in der Mitte auf ca. 3m verringert haben. Dazu verlagern Sie ihr Gewicht vermehrt auf den inneren Gesäßknochen, der äußere Schenkel begrenzt das Pferd von außen. Treiben Sie vermehrt mit dem inneren Bein das Pferd an die Hilfen. Drehen Sie sich mit dem Oberkörper in die Biegung mit ein. Je enger der Kreis wird, desto mehr müssen Sie Ihr Pferd treiben.

Steigerung des Schwierigkeitsgrades

Variieren Sie die Kreisgröße, indem Sie den Zirkel wieder vergrößern. Nutzen Sie hierzu vermehrt die Gewichts- und Schenkelhilfen. Treiben Sie vermehrt mit dem inneren Schenkel und verlagern Sie Ihr Gewicht leicht auf den äußeren Gesäßknochen. Wenn Sie sich wieder auf der Zirkellinie befinden, können Sie einen Handwechsel reiten (aus dem Zirkel wechseln). Dazu nehmen Sie die Zügel in die innere Hand, um den Handwechsel durchführen zu können. Beim Überreiten von X stellen Sie ihr Pferd gerade. Legen Sie den neuen äußeren Zügel an den Hals an. Treiben Sie vermehrt mit den neuen inneren Schenkel und begrenzen Ihr Pferd mit dem neuen äußeren Schenkel.

Nachdem Sie den Zirkel gewechselt haben, können Sie die Übung auf der anderen Hand wiederholen. Somit wird das Pferd gleichmäßig auf beiden Händen gearbeitet.

Tipp: Die Übung kann Ihnen dabei helfen, lockerer in der Hüfte mitzuschwingen und somit auch Ihr Aussitzen verbessern.

Was tun, wenn … ?

…mein Pferd nicht abwenden möchte?

Überprüfen Sie Ihre Hilfengebung. Manche Pferde brauchen zu Beginn der Übung deutlichere Gewichts- und Schenkelhilfen, um die Aufgabe zu verstehen. Um das Pferd zu unterstützen, können Sie eine Gerte in die äußere Hand nehmen. Bedenken Sie, dass Ihr Pferd möglicherweise nicht gelernt hat am äußeren Zügel zu stehen und somit die Aufgabe nicht versteht. Wenn dies der Fall ist, sollten Sie erst daran arbeiten und die Übung zu einem späteren Zeitpunkt wiederholen. 

…mein Pferd über die Schulter ausbricht?

Wenn ein Pferd über die Schulter läuft, ist es meist in der Wirbelsäule gerade und verwirft sich im Genick. Dies liegt an der falschen Hilfengebung des Reiters. Begrenzen Sie Ihr Pferd mehr mit dem äußeren Zügel und Schenkel, um so ihr Pferd mehr einzurahmen.