Reitübung 118: Zur Verbesserung der Balance

Wie so oft sind die Steigbügel schon bereits vor der Reitstunde eingestellt. Der Reiter steigt auf und beginnt mit der Arbeit, immer mit der gleichen Bügellänge. Ändern Sie jedoch die Bügellänge, können Sie ihr Gleichgewicht verbessern. Wir zeigen Ihnen, wie unterschiedliche Bügellängen zur Verbesserung der Balance führen.

Was trainiere ich?

Pferd:
Das Pferd lernt, auf die unterschiedlichen Lagen der Schenkel zu reagieren. Da sich der Reiter besser ausbalancieren kann wird die Durchlässigkeit, Anlehnung und der Takt verbessert.

Reiter:
Der Reiter übt sich in Balance. Dadurch kann er seinen Sitz optimieren und so gezielter, ruhiger und bewusster auf das Pferd einwirken.

Was benötige ich ?

  • eine Halle oder einen Reitplatz
  • eine Pylone

Geübte Reiter können die Übung auch im Gelände miteinbauen.

Ablauf

Diese Übung können Sie in eine normale Reitstunde einbauen. Beginnen Sie mit Ihrer „normalen“ Bügellänge. Um Ihre Balance zu verbessern, verkürzen Sie Ihre Steigbügel um 3 Löcher. Reiten Sie wie gewohnt Ihre Übungen. Nach ca. 15 min verkürzen Sie Ihre Bügel noch einmal für 3 Löcher. Somit entspricht die Bügellänge der des Rennsitzes. Dabei wird das Gesäß weiter nach hinten geschoben, die Schenkel liegen senkrecht zum Pferdekörper und der Oberkörper wird in Richtung Pferdehals gebeugt. In dieser Haltung reiten Sie für ca. 10 Minuten. Danach stellen Sie wieder Ihre „normale“ Bügellänge“ ein. Je öfter Sie Ihre Bügellänge verändern, desto ausbalancierter wird auch Ihr Sitz. Machen Sie die Bügel auch länger als „normal“ (jedoch nur so lange, dass Sie noch gut im Steigbügel stehen können) oder reiten Sie auch einmal ohne Steigbügel. Beim ohne Bügel Reiten können Sie auch versuchen „leichtzutraben“. Dies fördert den Muskelaufbau der Oberschenkel. Achten Sie darauf, nicht zu verkrampfen.

Wenn Sie Verspannungen spüren, sollten Sie die Bügel wieder aufnehmen. Das ohne Bügel Reiten dient nur der Verbesserung der Balance und der Aufrichtung des Reiters. Ein mögliches Sitzen auf den Oberschenkeln wird deutlich und kann korrigiert werden. Die Übung sollte nicht dauerhaft geritten werden, da das präzise Einwirken von Schenkelhilfen nur eingeschränkt möglich ist.

Steigerung des Schwierigkeitsgrads

Geübte Reiter können auch ab und zu ohne Sattel reiten. Diese Übung ist aber nicht für jeden geeignet, da manche Reiter beim Reiten ohne Sattel auch zum Verkrampfen neigen. Ist der Widerrist zu ausgeprägt, kann er beim Reiter zu Schmerzen im Unterleib führen. Probieren Sie dies also nur aus, wenn Sie ein Pferd reiten, das an den Hilfen steht, ruhig im Tempo bleibt und nicht zum Bocken oder Durchgehen neigt, damit Sie sich langsam entspannen können.

Der Reiter kann ohne Sattel die Bewegung des Pferdes besser wahrnehmen und so Bewegungsmuster verstehen. Somit wird er ein gutes Verständnis für Hilfen entwickeln. Reiten Sie in allen Gangarten zunächst große Linien.
Achten Sie auf die Fußfolge im Trab: Bevor das innere Hinterbein abfußt, muss die Hilfe zum Angaloppieren kommen.

Was tun, wenn … ?

… mein Pferd plötzlich nicht mehr auf die Schenkelhilfen reagiert?

Gewöhnen Sie Ihr Pferd langsam an kürzere Bügel, indem Sie die Steigbügel nicht gleich mehrere Löcher verkürzen, sondern immer nur ein Loch auf beiden Seiten. Wenn Sie merken, dass Ihr Pferd sich daran gewöhnt hat, reiten Sie noch eine Weile mit der gleichen Bügellänge. Danach stellen Sie wieder die „normale Bügellänge ein“. Je öfter Sie die Übung wiederholen, desto kürzer können Sie die Bügel einstellen,bis Sie schließlich die Bügel so kurz haben, dass Sie im Rennsitz reiten können. Bei manchen Pferden hilft bereits eine impulsartige Hilfengebung, damit diese wieder auf den Schenkel reagieren.

… ich durch die kurzen Steigbügel in den Sattel falle?

Üben Sie sich zuerst im Reiten des „leichten Sitzes“. Durch das Kürzen der Bügel haben Sie mehr Kontakt zum Körper des Pferdes. Deshalb fällt es meist leichter am Rumpf des Pferdes zu treiben. Achten Sie darauf, nicht in den Waden zu verkrampfen, sondern lassen Sie das Abfedern der Sprunggelenke im Steigbügel nach unten zu. Somit kommt Ihr Bein besser zum Treiben und ihr Pferd geht frischer vorwärts. Variieren Sie mit Ihrem Gesäß, wechseln Sie zwischen im, am und über dem Sattel. Somit fällt es Ihnen leichter, in die Bewegung des Pferdes zu kommen und locker mitzuschwingen. Zudem fallen Sie nicht mehr so schnell in den Sattel zurück.