Reitübung 120: Traversalen erarbeiten

In dieser Übung wird beschrieben, wie Sie mit Ihrem Pferd mit den Traversalen einsteigen können.

Dress

Was trainiere ich?

Pferd:
Durch das Erlernen einer neuen Lektion in der Seitwärtsbewegung wird das Pferd lateral geschmeidiger. Zusätzlich reagiert es nach und nach feiner auf den Schenkel. Durch die neue Art der Biegung im Seitwärts wird das Pferd geschmeidiger, kann sich besser koordinieren und lernt, besser auf Hilfen zu reagieren.

Reiter:
Der Reiter muss bei dieser Übung schnell sein: Nacheinander muss er in einem kurzen Zeitrahmen viele richtige Hilfen geben, um dem Pferd den Sachverhalt zu erklären. Er bekommt ein besseres Bewusstsein für die Dosierung und Wirkung der Hilfen und kann so in Zukunft feiner einwirken. Außerdem lernt er, sein Gewicht korrekt einzusetzen und das Bein unabhängig vom Oberkörper zu bewegen.

Was benötige ich?

Ablauf

Reiten Sie auf einer langen Linie im Schritt geradeaus. Stellen Sie nun Ihr Pferd nach innen und leiten ein Schulterherein ein. Dafür treiben Sie mit dem inneren Schenkel seitwärts-vorwärts, der äußere Schenkel liegt dabei verwahrend hinter dem Gurt. Der Reiter verlagert sein Gewicht auf den inneren Gesäßknochen und nimmt den inneren Zügel an. Der äußere Zügel gibt leicht nach, um dem Pferd das Eindrehen nach innen zu ermöglichen. Sobald das Pferd korrekt im Schulterherein läuft, nimmt der Reiter das äußere Bein noch etwas nach hinten und treibt das Pferd seitwärts-vorwärts in Richtung Mitte. Es muss dabei dringend darauf geachtet werden, dass das Pferd nicht nur mit der Vorhand, sondern auch mit der Hinterhand kreuzt. Gerade am Anfang ist es ratsam, das Pferd außen mit der Gerte anzutippen, um ihm eine Hilfestellung zu geben: „Auch die Hinterhand muss mit!“
Wichtig ist zu beachten, dass das Pferd immer einen Schritt zur Seite, dann wieder einen Schritt in Biegung geradeaus gehen soll, da eine Traversale eine Vorwärts-seitwärts-Bewegung ist. Das heißt: Wenn das Pferd in Biegung einen Schritt seitwärts gegangen ist, treiben Sie wieder mit dem inneren Bein vorwärts und wiederholen diesen Vorgang.
Anfangs wird das Pferd (wahrscheinlich) nicht verstehen, dass es in Biegung seitwärts gehen soll. Wenn es also nach wenigen Schritten die Biegung und Stellung verliert und die Hinterhand nicht mitgeht, gehen Sie ins Schenkelweichen über. Dafür stellen Sie das Pferd gerade, verlagern das Gewicht auf den äußeren Gesäßknochen und treiben es mit dem äußeren Bein am Gurt nach innen, während das innere Bein verwahrend hinter dem Gurt anliegt. Wenn nun das Pferd korrekt einige Schritte im Schenkelweichen geht, beginnen Sie wieder mit dem Schulterherein und den Traversschritten. Auf diese Weise versteht das Pferd allmählich, dass es bei den Traversalen, wie beim Schenkelweichen auch, die Hinterhand mitnehmen soll. Erwarten Sie zu Anfang nicht, dass das Pferd die Beine sofort spekakulär überkreuzt. Zunächst reicht es auch, wenn das Pferd in die Spur der anderen Hufe tritt.

Loben Sie Ihr Pferd unbedingt sofort, wenn es den gesamten Körper mitnimmt, auch wenn die Biegung noch nicht ganz stimmt. Schließlich ist aller Anfang schwer!

Achten Sie außerdem darauf, das Pferd nicht zu überfordern: Wenn es einige wenige korrekte Traversschritte gemacht hat, beginnen Sie wieder mit dem Schulterherein. Machen Sie nicht den Fehler, ewig in der Traversale weiterzureiten, ansonsten ermüdet das Tier und verliert schnell die Motivation.

Wenn das Pferd sich bemüht und einige Schritte richtig ausgeführt hat, können Sie mit der Übung aufhören.

Ratsam ist es, die Übung zu machen, indem man durch die ganze Bahn wechselt. Dann hat man einen Punkt, zu dem man reitet und läuft nicht Gefahr, zu sehr zur Seite oder geradeaus zu reiten.

Steigerung des Schwierigkeitsgrades

Wenn Sie das Gefühl haben, Sie und Ihr Pferd können ein paar Schritte der Traversale gut und korrekt ausführen, versuchen Sie es einmal mit weniger Vorbereitung: Stellen Sie Ihr Pferd in Bewegungsrichtung und beginnen gleich mit der Traversale, anstatt das Schulterherein als Hilfe zu nehmen.

Außerdem könnten Sie das Ganze auch einmal im Trab versuchen. Aber Vorsicht: In der höheren Gangart ist das schwerer, als im Schritt. Erwarten Sie deshalb keine perfekte Traversale, sondern seien sie zunächst mit dem Mitnehmen der Hinterhand zufrieden.

Was tun, wenn…?

…mein Pferd sich im Genick verwirft?

Es kann vorkommen, dass Pferde sich im Hals oder Genick verwerfen, wenn sie die Übung noch nicht kennen und sich plötzlich im Seitwärts biegen sollen. Geben Sie Paraden am inneren Zügel und nehmen gleichzeitig den äußeren Zügel an, um ein Verwerfen zu verhindern. Die gewünschte Wirkung wird aber nicht immer sofort eintreten, da das Pferd oft noch damit beschäftigt ist, sich zu koordinieren. Hier ist Geduld gefragt.

…mein Pferd ständig ins Stocken gerät?

Wenn Ihr Pferd ständig langsam wird oder stehen bleibt, bestehen Sie auf mehr Fluss. Reiten Sie zwischendurch energisch Schritt und beginnen erst wieder mit der Übung, wenn das Pferd nach vorne zieht.