Apassionata „Gefährten des Lichts“ 1/4

Wir haben ein exklusives Interview mit dem Horse Consultant der Apassionata, Bernhard Graf von Ballestrem, geführt!

Mit wundervollen Schaubildern und einer grandiosen Inszenierung wurde das neue Programm “Gefährten des Lichts“ von den Zuschauern schon mehrfach als das beste seit Jahren bezeichnet. Hier erfahren Sie mehr über die neue Show.
Als Berater in allen Pferdefragen steht der Horse Consultant Bernhard Graf von Ballestrem dem gesamten Team zur Seite. Doch was genau sind eigentlich die Aufgaben von Bernhard und welche Rolle spielen Pferde in seinem Leben? Wir haben den Horse Consultant bei der Show in Stuttgart für ein Interview getroffen.

Möchten Sie sich kurz vorstellen?
Ich heiße Bernhard Graf von Ballestrem und bin für APASSIONATA „Gefährten des Lichts“ Berater in allen Pferdefragen. Das bedeutet im Einzelnen, dass ich den Regisseur in der Entwicklung der Shows beratend begleite, mit den Reitern die Choreographien erarbeite und für den Erhalt der reiterlichen Qualität im Laufe der Tournee sorge.

Wie sind Sie zum Reiten gekommen und seit wann reiten Sie?
Ich bin mit Pferden aufgewachsen, meine Familie hatte immer schon Pferde zu Hause und hat das Reiten entsprechend gefördert. Mein erstes Pony habe ich mit 4 Jahren bekommen und bin mit 6 Jahren das erste Mal ein Turnier geritten.

Durch diesen frühen Einstieg hat sich meine reiterliche Karriere bis heute durchgezogen.

Bernhard Graf von Ballestrem ist lange Zeit im Sport (Springen, Dressur, Vielseitigkeit) geritten.

Welche Rolle spielen Pferde in Ihrem Leben?
Das Pferd hatte für mich immer eine zentrale Bedeutung in meinem Leben, da ich seit meiner Kindheit immer in Kontakt mit den Tieren war. Über die Zeit war ich Turnierreiter, Trainer, Bereiter und irgendwann eben auch im Showbereich tätig, wobei mein Einstieg APASSIONATA war. Ich habe also mein Hobby zum Beruf gemacht und bin damit bis heute mehr als zufrieden. Man könnte sagen, dass für mich in allen Belangen gilt: „Das Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde“!

Reiten Sie auch selbst?
Ich bin jahrelang geritten und hatte auch eigene Pferde. Momentan fehlt mir dafür jedoch beruflich bedingt die Zeit. Wenn es sich aber ergibt, steige ich natürlich gern in den Sattel. Zu meinen Zeiten im Sport bin ich im Springen (bis S), der Dressur (bis M) und in der Vielseitigkeit (** international) unterwegs gewesen.

Hatten oder haben Sie eigene Pferde oder Trainingspferde?
Beides, da ich ja in verschiedenen Disziplinen aktiv war. Ich selbst hatte einen Stamm von 2-3 Pferden und Reitschüler inklusive Beritt.

Was halten Sie von gebisslosem Reiten?
Diese Frage kann man so pauschal nicht beantworten. Generell gilt jedoch, dass ein fachgerechter Umgang mit jedweder Form von Zäumung essentiell ist und dies besonders stark für gebisslose Trensen gilt. Denn mit beispielsweise einem Hackamore kann man bei nicht fachgerechtem Einsatz mehr Schaden anrichten als mit einem normalem Gebiss.

Grundsätzlich kommt es auf den Typ Pferd an, es ist eine Gefühlssache und obliegt der Einschätzung des Reiters.

Gebisslos reiten wird meiner Erfahrung nach häufig von Amateuren als besonders pferdefreundlich missverstanden, aber für jedes Equipment gilt:

Der richtige Einsatz gibt den Ausschlag.

Bernhard beim Training für die Show.

Was genau macht ein Horse Consultant?
Als Horse Consultant ist es vor Showstart vor allem meine Aufgabe, mit dem Regisseur die Möglichkeiten auszuloten. Das bedeutet, zu den Szenen die passenden Rassen auszusuchen, reiterliche Highlights zu identifizieren und herauszuarbeiten und generell die inszenatorischen Strategien zu begleiten. Weiter besteht eine enge Zusammenarbeit in der Entwicklung des Konzepts, was ein stetiger Prozess ist.

Mich fasziniert an der Sparte Pferdeshow vor allem die Diversität und die verschiedenen Herangehensweisen an die Pferd-Mensch-Beziehung.

Es werden unterschiedlichste Disziplinen der Reiterei vereint und in einem Kontext inszeniert, der viel mehr Möglichkeiten bietet, als das zum Beispiel auf einem Turnier der Fall ist.

Was hat sich bei der Apassionata im Laufe der Jahre verändert?
Angefangen haben wir ja mit einzelnen, nicht zusammenhängenden Nummern, was super funktioniert hat. Aber natürlich konnten wir unser Niveau über eine stetige Professionalisierung immer weiter steigern.
Während wir zu Beginn „nur“ 30 Pferde dabei hatten, sind es mittlerweile 60. Dies ist natürlich auch durch die besseren technischen und logistischen Möglichkeiten machbar, alles kann größer und variabler aufgezogen werden.

Woher kommen die Ideen für die neuen Shows?
Jede Show entsteht durch ein Zusammenspiel zwischen Kreativteam, Regisseur und den Equipen. Es sind verschiedene Personen aus den unterschiedlichsten Fachrichtungen daran beteiligt, was eine wichtige Komponente für eine erfolgreiche Inszenierung ist.

Bernhard bei der Arbeit mit Reitern und Tänzern.

Welche Ziele haben Sie für die nächsten Jahre?
Ich persönlich habe den Anspruch, immer neue Highlights zu finden und sie ästhetisch zu inszenieren. Dazu gehört auch, die Stärken und die Schönheit von Pferderassen mehr hervorzuheben und sie neu in Szene zu setzen. Davon ab ist es mir wichtig, Transparenz für das Publikum zu schaffen, was den Umgang mit den Pferden und den Showabläufen angeht.

Wie suchen Sie die Stars für die Shows aus?
Hier profitiere ich vor allem von meiner langjährigen Erfahrung und Aktivität in der Reiter-Szene. Man kennt sich und weiß, wer was kann. Das macht es einfacher, für bestimmte Szenen die passende Besetzung zu finden. Außerdem betreiben wir natürlich auch proaktives Scouting neuer Stars und Nachwuchstalente und gehen auf Initiativbewerbungen ein.

Bernhard im Gespräch mit einem Reiter der spanischen Equipe.

Es passieren sicherlich auch immer wieder einmal kleinere oder größere „Katastrophen“ – welche ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?

Da wir mit Tieren zusammenarbeiten, muss man natürlich immer darauf gefasst sein, dass irgendetwas nicht so klappt, wie man es sich vorstellt. Bisher hatten wir in all den Jahren glücklicherweise noch nie einen wirklich schweren Unfall in der Show. Aber einen Schreckmoment gab es, als mal eine Reiterin von ihrem Pferd, das eine Kapriole sprang, am Kopf getroffen wurde. Das sah schlimmer aus, als es am Ende war, aber natürlich ist es erstmal ein Schock.
Lustige Pannen hatten wir auf einer Tournee, wo in der Reitbahnumrandung Wasserdüsen eingebaut waren, um in manchen Szenen einen Brunnen-artigen Effekt zu erzeugen. Die Düsen haben sich am Anfang ab und an selbstständig gemacht und dadurch Pferde, Reiter oder auch mal das Publikum bespritzt. Das haben wir aber auch in den Griff bekommen.

Wie gehen Sie vor, wenn ein Pferd kurzfristig für die Show ausfällt?
Das kann natürlich immer passieren, damit muss man rechnen. Aber alle in der Show Mitwirkenden sind flexibel und in der Lage, durch Improvisation oder spontane Umgestaltung des Ablaufs mit jeder Situation fertig zu werden.

Hatten Sie schon einmal Probleme mit Tierschützern, die den Transport und die Haltung der Pferde während der Tour, als nicht artgerecht eingestuft hatten?
Natürlich werden auch wir, wie alle Formate, die mit Tieren arbeiten, ab und an kritisiert. Mit solchen Anfragen gehen wir jedoch sehr transparent um und versuchen, den Leuten bestmöglich nahezubringen, was wie funktioniert. Das Wohl unserer Pferde steht immer an erster Stelle und das wollen wir auch nach Außen zeigen, weshalb wir beispielsweise die sehr beliebten Stallführungen anbieten, in denen sich jeder der möchte ein Bild der Situation im Backstagebereich und den Stallungen machen kann. Generell wäre es wünschenswert, dass manche Tierschutzorganisationen sich erst selbst ein Bild machen würden, bevor sie Kritik laut werden lassen. Wir sind für solche Besuche offen!

Bernhard im Gespräch mit Bartolo Messina.

Vielen Dank für das aufschlussreiche Interview und weiterhin noch viel Erfolg mit der APASSIONATA!

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