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Paddock Trail: Ein lebende Weidehütte bauen

Der Tunnel oder auch ein sogenanntes Schutzdach aus Weidensteckhölzern sind eine naturnahe Alternative zu konventionellen Weidehütten – und eignen sich daher besonders gut für den Paddock Trail.

Die naturnahe Pferdehaltung auf einem Paddock Trail muss auch vor dem Unterstand nicht Halt machen. Mit relativ wenig Aufwand – wenn auch mit etwas mehr an Geduld und Zeit – können sich Pferdehalter auch eine optisch zumeist deutlich schönere, weil lebende „Weide(n)hütte“ oder alternativ ein „Weide(n)schutzdach“ bauen…
Bei der Pflanzung von Weidentunneln oder -schutzdächern lässt sich die Vitalität des Weidenholzes besonders gut nutzen. Denn die in den Boden gesteckten, frisch geschnittenen Weidenstecklinge oder -steckhölzer treiben alsbald willig wieder aus und wachsen zu einem neuen Baum heran. Bei der Standortwahl sollte auf eine ausreichende Bodenfeuchtigkeit (nach Möglichkeit hoher Grundwasserspiegel) und möglichst viel Sonne geachtet werden.
Die Kriterien für die Eignung der Weidenart zum Bauen sind durch die Biegsamkeit des Materials und durch die Stabilität festgelegt. Ein gutes Ergebnis lässt sich mit der besonders wuchsfreudigen Purpurweide (Salix purpurea) und mit der Korb- bzw. Hanfweide (Salix vimenalis) erzielen. Wenig bis eingeschränkt geeignet sind die Silberweide (Salix alba) und die Salweide (Salix caprea). Als ungeeignet gelten u.a. die Ohrweide (Salix aurita), die Grauweide (Salix cinerea) und die Bruchweide (Salix fragilis).

Weiden und ihre Vermehrungsmöglichkeiten

Weiden werden etwa alle 2 Jahre gestutzt - da kann sicher "Abfallmaterial" kostenfrei beziehen.
Weiden werden etwa alle 2 Jahre gestutzt - da kann sicher "Abfallmaterial" kostenfrei beziehen.

Um ein Weidenobjekt zu gestalten, sind in der Regel mindestens zwischen sechs und zehn Weidenbäumchen erforderlich – besser mehr.
Eine eher kostspielige Variante ist der Bau eines Weidenobjektes mit Hilfe von „fertigen“, kleinen Bäumchen, die bereits einen Wurzelballen ausgebildet haben. Diese werden üblicherweise nur über Baumschulen und Pflanzen-Center zu beziehen sein und erfordern daher ein gewisses monetäres Budget. Ihr Vorteil ist der relativ beliebige Setzzeitpunkt, der – bis auf die Winterzeit – im Grunde fast unbeschränkt besteht (bei entsprechender Wässerung im Anschluss an die Pflanzung).

Eine preiswertere Alternative ist hingegen die Nutzung von Steckhölzern. Sogenannte Kopfweiden werden regelmäßig stark zurückgeschnitten – zumeist erfolgt dies alle zwei Jahre. Die oftmals bereits armdicken Äste eignen sich für ein solches „Weide(n)unterstandprojekt“ häufig ausgesprochen gut. Mit ein wenig Glück kann dieses Astwerk kostenfrei beim netten Nachbarn von nebenan oder von Naturschutzorganisationen bezogen werden – eine Anfrage lohnt auf jeden Fall!
Wer über keine preisgünstige oder sogar kostenfreie Bezugsquelle verfügt, sollte das Projekt einfach „langfristiger“ anlegen – mit Hilfe von Weidenstecklingen. Diese können ebenfalls direkt vom Mutterbaum abgeschnitten werden – am besten im Juni oder Juli. Auch hier gilt: möglichst lange Triebe auswählen. Damit diese schnell bewurzeln, sollte die Rinde bereits holzig sein. Nach dem Schneiden erhält der Steckling ein Wasserbad, bis sich die ersten Wurzeln zeigen. Je nach jahreszeitlicher Temperatur und der damit verbundenen Algenbildung in „stehenden Gewässern“ empfiehlt es sich, bei Bedarf das Brack- gegen Frischwasser auszutauschen.
Die einzupflanzenden Enden der Stecklinge und -hölzer sollten grundsätzlich in einem schrägen Winkel abgeschnitten werden, da aufgrund der größeren Schnittfläche später leichter Wurzel ausgebildet werden.

Optimaler Pflanzzeitpunkt

Am besten werden die Stecklinge in der WInterzeit gepflanzt. © Anke Klabunde
Am besten werden die Stecklinge in der WInterzeit gepflanzt. © Anke Klabunde

Weidensteckhölzer im Allgemeinen und Weidenobjekte im Besonderen sollten in der Winterzeit von November bis April gepflanzt werden. Die beste Zeit ist von Anfang Januar bis in den März hinein, wenn kein Frost mehr m Boden ist. Wer sicher gehen möchte, wartet bis nach den Eisheiligen.
Wird das für den Tunnel respektive Schutzdach benötigte Weidenmaterial bereits im Herbst geschnitten, soll aber erst im neuen Jahr gesetzt werden, ist eine Lagerung der Steckhölzer unabdingbar. Sie können in der kalten Jahreszeit – so unsere Erfahrung – durchaus einige Wochen bis Monate liegend im Freien verbleiben. Empfohlen wird auch die liegende Verwahrung in einem Wasserbad – aber das ist für viele Hobby-Gärtner oft nicht zu realisieren. Wir haben unsere Stecklinge zuerst draußen gestapelt, bevor wir ca. Ende Januar/Anfang Februar eine leer stehende Box als Winterquartier für die Steckhölzer genutzt haben. Da zu diesem Zeitpunkt nicht mehr mit starken Frosten zu rechnen war (bzw. die Box auch einiges an Kälte abgehalten hat), haben wir erst jetzt die einzelnen Stecklinge aufrecht stehend in einen mit Wasser gefüllten Maurerkübel gestellt.
Häufig wird für solche Weidenobjekte wie Tunnel oder Schutzdach zur Vorbereitung der Pflanzung wegen der dichten Pflanzabstände und in Abhängigkeit von der Länge der Setzstangen das Ausheben eines 30 bis 60 Zentimeter tiefen Pflanzgrabens empfohlen. Dort werden dann die Steckhölzer eingesteckt, die Erde eingefüllt und dann gut festgetreten, damit Bodenschluss besteht. Mit der Verwendung eines Erdlochbohrers lässt sich dieser Aufwand aber auch vermeiden.
Nach der Pflanzung – und in Abhängigkeit von der eventuell trockenen Wetterlage in den folgenden Tagen und Wochen – wird großzügig gewässert. Denn Weiden haben einen enormen Wasserkonsum!

Der Weidentunnel als Unterstand

Die Steckhölzer für den lebenden Weidentunnel sollten eine Mindestlänge von drei Metern, besser mehr, aufweisen. Je länger der Steckling, desto größer ist auch der Durchmesser (mindestens fünf Zentimeter) des „Noch-Astes“ bzw. „zukünftigen Stammes“ zu wählen. In Abhängigkeit von der Wunschlänge des zukünftigen Tunnels werden die Weidenstecklinge parallel zueinander angeordnet. Die Stecklinge sollten dann in einem Abstand von ca. 20 Zentimetern in die Erde gebracht werden. Pro Bogen werden zwei gegenüberstehende Setzstangen in der Mitte des Tunnels zusammengebunden. Hier eignen sich bspw. Stricke aus Sisal oder Kokos. Stabiler wird der Weidentunnel, wenn diagonal gesetzte Stecklinge miteinander verbunden werden und diese „Kontaktpunkte“ zusätzlich stabilisiert werden.

So könnte ein Weidetunnel gepflanzt  werden.
So könnte ein Weidetunnel gepflanzt werden.
EIn Schutzdach ist ein wenig einfacher zu bauen.
EIn Schutzdach ist ein wenig einfacher zu bauen.

Haben die Stecklinge gewurzelt, bildet sich über den Sommer hinweg reichlich Laub. Besonders schön – weil reichlich grünes Blätterwerk zu erwarten ist – werden diejenigen Weidenobjekte, deren Querverstrebungen an den Seitenwänden aus den Lebendzweigen gestaltet wurden.
Der Weidentunnel bzw. das Weidenschutzdach sollten sich dann über die Zeit zu einem praktischen, weil schattigen Unterstand entwickeln.

Die zweite Option: Das Schutzdach

Die einfachste zu bauende Form eines lebenden Weidenhauses ist das spitz zulaufende Schutzdach. Jeweils zwei gegenüberstehende Weidensteckhölzer werden hierbei schräg gegeneinander gesetzt und miteinander verbunden. Die gewünschte Höhe des Objekts bestimmt auch in diesem Fall die Stärke der Setzstangen und die Pflanztiefe.
Die Seitenwände von Tunnel und Schutzdach sollten durch in gleichmäßigen Abständen eingeflochtene Horizontalverstärkungen stabilisiert werden. Hierzu können die quer austreibenden Ästchen und Zweige des Weidenstecklings oder Totholz-Weidenruten verwendet werden. Alternativ eignen sich auch Ruten des Haselnuss-Strauchs. Die „Lebend-Variante“ ist selbstredend nur mit einem höheren Zeitaufwand über Monate hinweg zu realisieren, während trockene und biegsame … schnell zu einem Ergebnis führen – eine dichte Seitenwand. 
Auch in den Jahren nach dem Bau der Weidenobjekte empfiehlt es sich, die steil nach oben wachsenden Triebe regelmäßig in das Dachwerk einzuflechten. Als Form-erhaltende Maßnahme sollten die nicht fest verflochtenen oder abstehenden Zweige mit einer Astschere abgeschnitten werden.

Die Gefräßigkeit der Vierbeiner nicht unterschätzen!

Um die Weiden vor Verbiss zu schützen, sollten die Tiere entweder für einige Zeit keinen Zugang zu den Baumobjekten haben oder diese müssen gut ausgezäunt werden. Vor allem die nachwachsenden Ästchen mit ihren zarten Trieben gelten als besonders lecker – und Pferde(-zähne) können ausgesprochen hartnäckig und vor allem ausdauernd sein! Die Wahl des Zaunabstands entscheidet daher über die Lebensdauer der Pflanzen. 
In einer glücklichen Lage befindet sich, wer bereits über recht hohe Steckhölzer verfügt. Je kleiner die (zukünftigen) Bewohner bzw. je höher der Tunnel und/oder das Schutzdach schon zu Beginn aufgrund des vorhandenen und geeigneten Steckholzbestands konzipiert werden kann, desto schlechter erreichen die Tiere das Dach oder den oberen Bereich des Weidenobjektes – und um so geringer ist die Wahrscheinlichkeit für den frühen Pflanzentod aufgrund von Verbiss. Für die seitliche Ausgrenzung gibt es Empfehlungen, nach denen als Abstand die doppelte Halslänge als ausreichend erachtet wird.

Ältere Pflanzen sind nicht so empfindlich - doch die jungen Treibe halten solch eine "Bearbeitung" nicht aus.
Ältere Pflanzen sind nicht so empfindlich - doch die jungen Treibe halten solch eine "Bearbeitung" nicht aus.

Ob der Tunnel bzw. das Schutzdach später überhaupt ohne Zaun freigegeben werden kann, hängt vor allem von den Pferden und dem Futterangebot ab. Die Rinde der Stämme sollte jedoch bereits ausreichend fest und stabil („borkig“) sein, dann ist wenigstens die „Grundsubstanz“ der Pflanze wenig(er) attraktiv für die Tiere.