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Therapierung von Hufrehe und Hufbeinrotation mit Hilfe von Lasertherapie

Hilft eine Lasertherapie bei der Behandlung von Hufrehe oder einer Hufbeinrotation? Erfahren Sie hier von Jochen Lill mehr darüber.

Bei den bis heute angewendeten Therapiemethoden ist eine Diagnose vorsichtig zu stellen. Kommt es allerdings zu einer Hufbeinabsenkung mit Rotation, ist die Prognose oft negativ und die betroffenen Pferde bleiben meist chronisch lahm. Inwiefern eine Lasertherapie hilft, erfahren Sie in diesem Beitrag von Jochen Lill.

Das erwartet Sie in diesem Artikel:

  • Definition von Hufrehe,
  • traditionelle Behandlungswege,
  • Lasertherapie als Behandlung,
  • Fallbeispiel „Matty“,
  • über Jochen Lill.

Was ist Hufrehe?

Definition

Unter Hufrehe versteht man eine diffuse Entzündung der Huflederhaut, welche eine Schädigung des Hufbeinträgers verursacht. In Extremfällen kommt es zu einem kompletten Funktionsverlust des Hufbeinträgers, oftmals ist hier auch ein Ausschuhen zu beobachten
Eine Hufrehe kann durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden. Aber egal, ob es sich um eine Futterrehe, eine Stallrehe, eine Belastungsrehe oder eine durch Toxine ausgelöste Rehe handelt – die Erkrankung selbst ist immer fatal.
Die Pferde leiden unter starken Schmerzen, oft sind sie nicht mehr von der Stelle zu bewegen. Die Hufe sind warm und hochempfindlich, die Pulsation der Zehenseitenarterien ist hochgradig verstärkt.

Eine Hufrehe kann durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden.
Eine Hufrehe kann durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden.

Traditionelle Behandlungswege

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Standardmäßig werden Pferde mit Reheschüben medikamentös behandelt, ihnen werden Entzündungshemmer und Schmerzmittel verabreicht.

Durch Angussverbände wird der Huf gekühlt und man versucht dadurch, die Entzündung einzudämmen. Bei bereits stattgefundener Hufbeinsenkung oder auch zur Verhinderung wird oft ein sogenannter Rehebeschlag angebracht.

Eingipsen oder extremes Steilstellen der Hufe bringen den Pferden zeitweise Linderung, führen jedoch zu starken Veränderungen im Bänder -und  Sehnenapparat. Ein nicht zu unterschätzender Faktor sind die Veränderungen durch die Belastungen der Gelenke, die durch diese Umstellung der natürlichen Stellung verursacht werden.

Um es bildlich zu machen: Stellen Sie sich eine Frau vor, die immer nur Turnschuhe getragen hat. Plötzlich wird diese Frau gezwungen, nur noch Highheels tragen. Die Folge wären vermehrte Schmerzen in der Muskulatur und den einzelnen Gelenken. Die Bänder und Sehen werden extrem durch die Steilstellung des Fußes belastet. Wenn nun diese Frau nach ca. 3-4 Monaten wieder die Highheels gegen Turnschuhe tauscht, wird sie wiederum nicht in der Lage sein, ohne Schmerzen und Bänder-Sehnenzerrungen und kleine Muskelfaserrisse zu gehen. Bei den steil gestellten Pferden ist Gleiches zu beobachten.

Die Pferde werden therapeutisch nach der Steilstellung aber ganz alleine gelassen – sowohl nach dem Steilstellen als auch nach dem Entfernen des Korrekturbeschlages. Oftmals neigen Pferde mit einer Empfindlichkeit für Hufrehe zu weiteren Reheschüben, die zu einer weiteren Verschlimmerung des Zustandes führen.  Jeder Schritt für das Pferd wird zur Qual, ein Leben ohne ständige Schmerzmittel kaum möglich, das Pferd leidet schon im Stehen. Für ein Bewegungstier eine Folter ohnegleichen. Die Euthanasierung ist dann der einzig vernünftige Weg, dem Pferd ein weiteres Leben unter Qualen zu ersparen.

Lasertherapie als Behandlung

Die Laserakupunktur ist die geniale Kombination aus alter chinesischer Akupunkturtradition und modernster Technik. Die Forschungsgrundlagen für die Anwendung der Laserakupunktur wurden von Dr. Uwe Petermann gelegt.
Die Anwendung der Lasertherapie beruft sich auf das sogenannte biologische Grundgesetz, auch Arndt-Schulz-Gesetz, aufgestellt von dem Psychologen R. Arndt (1835-1900) und dem Pharmakologen H. Schulz (1853-1932). Es besagt, dass
–  starke Reize lähmen, zerstören
–  mittlere Reize hemmen
–  schwache Reize fördern.
Adäquate Energieabgaben, am richtigen Zielort angewendet, können gestörte Organfunktionen wieder harmonisieren: Nicht der stärkste, gerade noch ausgehaltene Reiz ist der beste, sondern der schwächste, der noch eine ausreichend gute Reaktion hervorruft.

Low Level Laser Therapy (LLLT) ist eine vielseitig einsetzbare lokale Behandlungsmethode gegen Entzündungen jeglicher Art [4, 8], Muskelverspannungen, zur Durchblutungsförderung, zur Förderung der Demarkation in traumatisiertem, phlegmonösem oder abszedierendem Gewebe [9], Anregung der Wundheilung [6, 11] und bei vielen weiteren Indikationen [12].

Besondere Bedeutung hat die Laserakupunktur aber bei der Behandlung von chronisch allergischen und chronisch degenerativen Erkrankungen [10]. Alle diese Prozesse werden durch die Akupunktur synergistisch unterstützt und umgekehrt. Laserakupunktur ist die Kombination von LLLT und Akupunktur, wobei auch die Akupunkturpunkte mit dem Laser stimuliert werden. Dies hat neben der Möglichkeit der lokalen Therapie noch den Vorteil, dass die Punkte völlig schmerzfrei und sogar berührungsfrei gereizt werden können [12].

Mit Hilfe eines hochfrequenten Lasergerätes, der Pulskontrolle (entdeckt von dem französischen Akupunkturarzt Nogier) und verschiedensten Frequenzen ist der Anwender in der Lage, Störungen im Körper zu lokalisieren und zu beseitigen. Entgegen der üblichen Akupunkturbehandlung mit Nadeln handelt es sich hierbei um eine nicht-invasive Technik, es gibt es keinerlei Verletzungen der Hautschichten. Der Laser kann bis zu 12 cm in die Gewebsschichten eindringen und die Wundheilung bis zu 150% gegenüber der Natur steigern.

„Wichtig ist noch zu erwähnen, dass mit Beginn der Akupunkturbehandlung jegliche andere Medikation abgesetzt wurde. Es wurden begleitend zur Akupunktur weder Antihistaminika noch Antiphlogistika, weder Antibiotika noch Kortikosteroide eingesetzt“.

Die Lasertherapie wird also nicht begleitend zu einer konventionellen medikamentösen Therapie eingesetzt, sondern alternativ.

Behandlung chronischer Hufrehe mit Hufbeinabsenkung und Rotation durch kontrollierte Laserakupunktur mit Pulskontrolle

Fallbeispiel „Matty

Röntgenaufnahme: Abbildung 1 © Carolyn Bertol
Röntgenaufnahme: Abbildung 1 © Carolyn Bertol

Ende März 2016 wurde mir der 17jährige Wallach „Matty“ vorgestellt . Die Diagnose lautete Hufbeinabsenkung vorne rechts mit Rotation.
Matty hatte 2012 den ersten Reheschub, den letzten er im Oktober 2015.
Der Tierarzt hatte zunächst eine konventionelle Behandlung mit Schmerzmitteln, Entzündungshemmern und einem Rehebeschlag  angewandt. Da sich keine wesentliche Besserung einstellte, war auch ein Tierheilpraktiker zugezogen worden, der eine sogenannte HOT anwandte (Behandlung mit durch Sauerstoff angereichtem Eigenblut) und einen Aderlass vornahm. Nach der ersten Behandlung trat eine Besserung ein, die zweite Behandlung wirkte dann gar nicht mehr.
Ein neuer Beschlag, den der behandelnde Tierarzt und der Schmied gemeinsam durchführten, führte leider zu keiner Verbesserung. Auch die Behandlung durch einen weiteren Tierarzt und einen anderen Schmied war erfolglos. Das Pferd war nur unter starken Schmerzmitteln zu einem vorsichtigen Gehen zu bewegen. Laut Angaben der Besitzerin benötigte man für eine Strecke von ca. 150 m über 20 Minuten, wobei man das Pferd gleichzeitig ziehen und schieben musste.
Abb. 1: Die Röngtenaufnahme wurde im Februar 2016 erstellt. Unschwer ist hier zu erkennen, dass sich hier um eine massive Hufbeinabsenkung  handelt und die Gefahr des Hufbeindurchbruches nicht von der Hand zu weisen ist. Der Tierarzt war zum Schluss ratlos und empfahl, das Pferd von seinen Schmerzen zu erlösen.

Als letzten Ausweg wandte sich die Besitzerin an mich. Es wurde besprochen, das Pferd auf das Gestüt Katharinenhof (Antdorf) zur Behandlung zu bringen. Als Aufenthaltsdauer wurden 8 Wochen vereinbart.

Matty wurde am 01.04.2016 bei mir aufgestallt. Wir setzten alle Medikamente ab und begannen mit der Lasertherapie. Hierzu wurde der betroffene Huf und diverse andere Akupunkturpunkte täglich mit bestimmten Frequenzen gelasert.

Grundlage für die Behandlung waren die Erfahrungen von Dr. Uwe Petermann, kombiniert mit auf das Pferd angepasste Individualpunkte.
Schon am 05.04.2016 konnte das Pferd in verhaltenem Tempo auf einer Teerstraße 20 Minuten geführt werden.
Am 07.04.2016 wurde der Versuch unternommen, das Pferd zum Traben an der Hand zu animieren. Dies gelang gleich beim ersten Versuch, wobei Matty zu meinem Erstaunen sehr flott trabte. An den Vordergliedmaßen konnte keinerlei Lahmheit festgestellt werden.
Am 09.04.2016 wurde das Pferd von der Besitzerin geführt. Auf den gemachten Videoaufnahmen ist zu erkennen, dass der Wallach stürmisch im Schritt vorwärts geht und sogar an der Hand auf der Teerstraße buckelt .
Ab dem 12.04.2016 wurde angefangen, den Wallach zu longieren, was ebenfalls problemlos gelang.
Ab dem 20.04.2016 wurde der Wallach zusätzlich täglich 3-4 Stunden auf ein Paddock gebracht. Hier bewegte er sich die ganze Zeit lahmfrei und munter in allen drei Grundgangarten bis hin zu Steigen und Buckeln .
Am 07.05.2016 wurde er entlassen – vier Wochen vor dem vereinbarten Zeitpunkt.
Matty läuft seitdem problemlos. Er wird normal geritten und gearbeitet. Wie auf dem neuesten Röntgenbild vom 17. November (Abb. 2) zu sehen ist, kann man eine Hufbeinsenkung kaum noch zu erkennen. Das Hufbein hat seine ursprüngliche Normalstellung wieder eingenommen.

Röntgenaufnahme: Abbildung 2 © Carolyn Bertol
Röntgenaufnahme: Abbildung 2 © Carolyn Bertol

Über Jochen Lill

Unser Experte: Jochen Lill. © Carolyn Bertol
Unser Experte: Jochen Lill. © Carolyn Bertol

Jochen Lill arbeitet seit vielen Jahren als Hufschmied, Physiotherapeut für Pferde und Osteopath. Schon seit 2006 beschäftigt er sich zudem mit Thermografie und Laserakupunktur. Er kommt aus einer Familie von Reitern und Pferdezüchtern und als ehemaliger Vielseitigkeitsreiter ist er gut vertraut mit Sportpferden, deren Bedürfnissen und deren Problemen. Er behandelt sehr erfolgreich unter anderem die Sportpferde seines Neffen Maximilian Lill und sorgt mit Hilfe von Laserakupunktur dafür, dass diese tierischen Spitzensportler zum richtigen Zeitpunkt topfit sind.
Als Schüler von Herrn Petermann nahm Jochen Lill dessen Behandlungsansätze auf und kombinierte sie teilweise neu. Dadurch kam er zu verblüffenden Heilungserfolgen. Allerdings ist für die richtige und gezielte Anwendung große Erfahrung und sehr gute Kenntnisse nicht nur zur Anatomie, sondern auch zur Myologie unbedingt notwendig, was bei Jochen Lill durch seine mehr als 10jährige Erfahrung gegeben ist.
Im Rahmen seiner Tätigkeit trifft er auf viele Fälle, in denen ihm Pferde vorgeführt werden, die kaum noch therapierbar sind, wo die Besitzer schon die Hoffnung aufgegeben haben oder die einfach nicht mehr weiterwissen, weil trotz intensiver konservativer Behandlungen keine Besserung eingetreten ist. Oft wird den Besitzern von den Tierärzten der Fall als hoffnungslos erklärt, eine Euthanasie angeraten.