Hufschuhe im Test 1/3 – Beurteilen und Messen der Pferdehufe

Im ersten Teil unserer Serie wird der Hufschuh-Experte Bernd Jung die Hufe von vier Pferde beurteilen und ausmessen.

Die Beschaffenheit der Hufe ist genauso vielfältig wie es die Pferderassen sind. Es gibt ovale und runde Hufe, kleine und tellergroße, symmetrische und asymmetrische Hufe. Die einen haben einen geraden Wandverlauf die anderen zeichnen sich durch weghebelnde Wände aus. Auch der Zehenwinkel kann von spitz bis stumpf reichen.

Manche Hufe weisen niedrige bzw. hohe Trachten auf und wieder andere haben untergeschobenen Trachten. Hinzu kommt das Laufverhalten des Pferdes in den unterschiedlichen Gangarten. Kaum ein Pferd fußt gerade. Viele drehen beim Auf- und Abhufen, Schlurfen oder Streifen beim Gehen und je nach Rasse kann ein sogenanntes Bügeln beim Laufen beobachtet werden. Dies alles zusammengenommen kann das Herausfinden des passenden Hufschutzes deutlich erschweren und macht gute Beratung sinnvoll.

Das erwartet Sie in dem Beitrag:

  • Historie des Hufschuhs
  • Vorstellung der vierbeinigen Protagonisten
  • Erklärung zu den verschiedenen Hufformen
  • Auswahlkriterien für den passenden Hufschuh
  • Film mit genauer Beurteilung der Hufform der Pferde

Historie

Die Hipposandale – der Hufschuh aus der Römerzeit

Ein Hufschutz in Form eines Hufschuhes wurde schon in der Antike genutzt. Auf den befestigten römischen Straßen und Städten sollten die sogenannten Hipposandalen die Hufe der Last- und Tragtiere vor zu starkem Abrieb bewahren. Diese Sandalen waren jedoch nur für gemächliche Gangarten geeignet. Bei dem römischen Schriftsteller Gaius Suetonius Tranquillus finden die Hipposandalen eine erstmalige schriftliche Erwähnung.

In den letzten Jahrzehnten wurde die Entwicklung eines optimalen Hufschutzes immer weiter vorangetrieben und verfeinert. Heute gibt es eine Vielzahl an Modellen auf dem Markt mit unterschiedlicher Passform und Befestigungsmöglichkeiten. Die Gemeinsamkeit der Hufschuhe ist das Material – sie bestehen alle aus Kunststoff. Nahezu für jeden Huf kann man fündig werden.

Ovado

Ovado ist ein 13 Jahre alter Traber Wallach, der seine ersten Lebensjahre auf der Rennbahn verbrachte. Seine Besitzerin hat ihn 7 Jährig gekauft. Und zuerst musste das Pferd wieder Vertrauen in den Menschen gewinnen und lernen, dass man auch langsam und ruhig gehen kann. Unterstützung hat die Besitzerin dabei von Markus Stoss erhalten, der Ihr und Ihrem Pferd regelmäßig Unterricht in Horsemanship gibt. Zusätzlich wird mit Ovado Freiheitsdressur geübt, was für den Wallach Spaß und Abwechslung bedeutet. Der Traber wird freizeitmäßig geritten und er lief auch schon seinen ersten kleinen Distanzritt von 25 km. Ziel ist es zukünftig Distanzen von 40-50 km zu gehen, aber ohne große Ambitionen, denn der Besitzerin ist es nicht wichtig zu gewinnen sondern, dass der Wallach Spass bei der Sache hat und Sie weiss, dass er gerne läuft. Für die Gymnastizierung wird der Braune dressurlich, nach Philippe Carl geritten und jedes Jahr stehen mehrere kleine Wanderitte auf dem Programm.

Ovado, ein Traberwallach von der Rennbahn.
Nyno, ein 13 Jahre alter Freiberger Wallach.

Nyno

Nyno ist ein 13 Jahre alter Freiberger Wallach. Sein Besitzer hat das Pferd fünfjährig gekauft und bezeichnet sich selbst schmunzelnd als Feld-, Wald- und Wiesenreiter. Er unternimmt mit seinem Wallach ebenfalls viele Wanderritte. Pro Jahr werden um die drei großen Ritte geplant. Momentan macht der Besitzer eine Vorbildung beim VfD zum geprüften Geländereiter und anvisiertes Ziel ist geprüfter Rittführer. Damit Reiter und Pferd fit und beweglich bleiben, stehen zusätzlich gymnastizierende Übungen in der Halle auf dem Programm.

El Pintado

El Pintado ist ein 10 Jahre alter Criollo Mestizio er ist in Buenos Aires geboren und wurde dort zum Arbeitspferd ausgebildet. Mit fünf Jahren kam er mit dem Schiff nach Europa. Seine Besitzerin hat den Tigerschecken vor drei Jahren gekauft und beide unternehmen ausgedehnte Ausritte und Tagestouren, 3-4 mal im Jahr geht es dann auf Mehrtagesritte. Im letzten Jahr haben sie um die 2000 km gemeinsam zurückgelegt. Dieses Jahr sind schon weitere Wanderritte geplant: ein 5-Tagesritt im Altmühltal und ein 8-Tagesritt in der Eifel. El Pintado ist das perfekte Wanderreitpferd, denn er ist trittsicher, mutig und liebt Herausforderungen. Zusätzlich nimmt die Besitzerin Unterricht bei Markus Stoß in Horsemanship und Bodenarbeit.

Die Besitzerinnen von El Pintado und Bosco sind befreundet und unternehmen viele Wanderritte gemeinsam.
Bosco und der Tigerschecke El Pintado sind dicke Freunde.

Bosco

Bosco ist ein 16 Jahre altes Quarter-Mix-Pony. Seine Besitzerin hat das Pony seit 12 Jahren und charakterisiert den kleinen Wallach als dominant und zugleich etwas ängstlich – eine herausfordernde Mischung. Doch mittlerweile sind die beiden ein eingespieltes Team und haben viel Spaß an ausgedehnten Ritten. Mehrmals im Jahr unternehmen sie mehrtägige Wanderritte und letztes Jahr waren beide über 1500 km unterwegs. Der dunkle Wallach wird ausschließlich freizeitmäßig geritten. Lektionen der klassischen Dressur halten den kleinen in Schwung und sind für seinen Kopf gut. Natürlich wird auch mit Bosco Bodenarbeit und Natural Horsemanship gemacht.

Auswahlkriterien für den passenden Hufschuh

Der wichtigste Aspekt für die Auswahl eines Hufschuhes ist die Beurteilung der Hufform. Folgende Punkte müssen dabei berücksichtigt werden:

  • ist der Huf symmetrisch oder nicht
  • ist der Wandverlauf gerade oder gibt es verbogene Wände
  • ist der Zehenwinkel spitz, normal oder stumpf
  • wie ist die Trachtenlänge und deren Position

Anschließend wird die Huflänge und Hufbreite gemessen. In einem nächsten Schritt muss das Laufverhalten der Pferde beurteilt werden. Erst dann kann Anhand dieser Kriterien der Hufschuh ausgesucht werden, der am Besten auf den jeweiligen Huf passt. Um beim Messen ein unverfälschtes Ergebnis zu erzielen, rät der Hufschuh-Experte Bern Jung:

Das Messen sollte maximal acht Tage nach der letzten Hufbearbeitung durchgeführt werden.

Wie wird gemessen

Es wird immer am aufgenommenen Huf gemessen. Für die Breite wird die breiteste Stelle am Huf gemessen. Für das Messen der Länge wird vorne an der Zehenkannte das Maßband bei 0 angelegt und dann bis zur breitesten Stelle des Strahls das Maß genommen.

Laufverhalten mit Hufschuh: Ist alles richtig ausgemessen und der Hufschuh sitzt perfekt, kann es trotzdem sein, dass das Laufverhalten des Pferdes einen zu einer anderen Hufschuhwahl zwingt. Man muss schauen, ob das Pferd beim Ab- bzw. Auffußen dreht, da es Hufschuhe gibt die sich mitdrehen und so das Pferd behindern würden. Steht das Pferd sehr eng und streift beim gehen, dann muss ein Schuh gewählt werden, der seitlich wenig aufträgt und einen schlanken Huf macht. Neigt das Pferd zum Schlurfen, ist es wichtig keinen Schuh zu wählen, der die Zehe verlängern würde.

Nicht jeder Hufschuh passt auf jeden Huf

Jeder Hufschuh ist unterschiedlich konstruiert und hat andere Haltemechanismen, daher passt nicht automatisch jeder Schuh auf jede Hufform. Leider wird in der Praxis viel zu oft nur der Huf gemessen und dann anhand einer Tabelle ein Hufschuh bestellt. Ein böses Erwachen ist dadurch vorprogrammiert, denn viel zu oft passt der Schuh dann doch nicht auf den Huf und beeinträchtigt das Pferd beim gehen.

Mehr Informationen

Und das erwartet Sie in Teil 2: Vorstellung der einzelnen Hufschuhe mit den typischen Eigenschaften, die für die Testpferde zum Einsatz kommen werden. Anpassen und Anziehen der Hufschuhe und worauf dabei besonders geachtet werden muss.

Mit freundlicher Unterstützung der Dreharbeiten bei dem Hufpfleger und Horseman Markus Stoß auf dem Halunkenhof.

Bernd Jung ist Hufschuh-Experte und Hufschuhe-Coach aus Schwäbisch Hall. Er berät und bildet Hufpfleger für das Thema Hufschuhe aus.
www.hufcheck.de
www.hufschuhe-coach.com