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Tristes Dasein für zahlreiche Schulpferde

Werden Reitschulen ihrer Vorbildfunktion in der Pferdehaltung gerecht?

Reiten lernt man am besten in einer guten Reitschule. Diese zeichnet sich nicht nur durch ein angenehmes Klima für Reiterinnen und Reiter aus, sondern vor allem auch durch tierfreundliche Bedingungen für die Schulpferde. Dass dies oftmals nicht der Fall ist, zeigen die Resultate einer neuen Recherche des Schweizer Tierschutz STS.

Biss-Spuren an der Stalltüre

Von fünfzehn Schweiz-weit zufällig ausgewählten Reitbetrieben boten lediglich deren vier ihren Pferden artgemäße Haltungsbedingungen in Auslauf-Gruppenhaltung und mit häufigem Weidegang. Dabei wären ein pferdegemäßes Sozialleben und freie Bewegung, insbesondere auf Weiden, für die Ausgeglichenheit von Pferden extrem wichtig. Die verbreitete Einzelhaltung mit eingeschränktem Sozialkontakt und nur wenig freier Bewegungsmöglichkeit stellt jene Haltungsform dar, welche für den Reiter am schadensträchtigsten ist. Derart restriktiv gehaltene Pferde sind oft unausgeglichen, schreckhaft und unberechenbar, was gerade für Reitschüler ein erhöhtes Gefahrenpotential darstellt.

So gesehen ist es bedenklich, dass rund 70 Prozent der besuchten Reitschulen ihre Pferde in beengten Einzelboxen halten, teilweise gar ohne angrenzenden Auslauf. Bei vielen der besuchten Reitschulen waren die sozialen Kontakte zwischen Pferden höchstens durch die Gitterstäbe in den Boxen-Trennwänden möglich. Wenn überhaupt Weidegang angeboten wird, mussten viele Pferde alleine auf einer kleinen Fläche grasen und dies oft nur an wenigen Tagen, teilweise gar nur an einem Tag pro Woche. Dem Bedürfnis nach freier Bewegung und Sozialkontakten kann so nicht nachgekommen werden. In einigen Reitschulen wurden Biss-Spuren an den Stalltüren entdeckt, was klar auf Langeweile respektive Verhaltensstörungen hinweist.

Realität ist offenbar, dass heutzutage noch eine Mehrheit der angehenden Reiterinnen und Reiter ihr Hobby in einem Umfeld erlernen, das klar als nicht tierfreundlich bezeichnet werden muss.

Verantwortung wahrnehmen

Der Schweizer Tierschutz STS appelliert an das Verantwortungsbewusstsein der Reitschulbetriebe in der Schweiz. Reitschulen müssen bezüglich Pferdehaltung und Umgang mit den Tieren ihren Schülern Vorbild sein. Die physisch und psychisch oft höchst anstrengende Arbeit von Schulpferden ruft geradezu nach einem möglichst artgemäßen, freien Leben außerhalb der Schullektionen. Dies nicht zuletzt auch, um die Sicherheit der Reitschüler bestmöglich zu gewährleisten. Für Eltern von pferdebegeisterten Kindern ist es wichtig, bei der Wahl der Reitschule auf eine gute Pferdehaltung und einen sorgsamen Umgang mit den Tieren zu achten. Letztendlich besteht das Problem der wenig artgerechten Haltung von Lehrpferden sicherlich nicht nur in der Schweiz. Auch in anderen Ländern lebt die Mehrzahl der Schulpferde in Boxen mit fehlenden Sozialkontakten zu Artgenossen und ohne genügend freien Auslauf als Ausgleich zum Reitschulbetrieb.

Nicht alle Pferde haben die Möglichkeit, durchgängig Frischluft und den Kontakt zu Artgenossen zu genießen. Diese Pferde haben Glück!
Nicht alle Pferde haben die Möglichkeit, durchgängig Frischluft und den Kontakt zu Artgenossen zu genießen. Diese Pferde haben Glück!