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Serie
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Die Skala der Ausbildung: Takt

▶ | Alles im Takt? Er ist der erste Punkt der Ausbildungsskala und dient u.a. dazu die Qualität des Bewegungsrhythmus zu überprüfen. Warum er so wichtig ist, erfährst du hier.

Das gibt es hier für dich

Info

Warum steht der Takt an der ersten Stelle der Ausbildungsskala? Und wie erkenne ich, ob eine Taktverschiebung stattfindet? Das erfährst du hier.

Medien

Film Sabine Ellinger (01:54 Min.) | Ernst-Peter Frey (01:48 Min.)

Der Takt – die innere Uhr

 

Die Richtlinien für Reiten und Fahren Band 1: Grundausbildung für Reiter und Pferd, S. 222 definiert den Takt als

ein Gleichmass aller Schritte, Tritte und Galoppsprünge des Pferdes.

Diese Definition alleine reicht jedoch nicht, um die Bedeutung und die Funktion des Taktes zu verstehen. Jedes Pferd hat von Natur aus einen Takt und eine Geschwindigkeit, in der es sich am wohlsten fühlt und sich gut ausbalancieren kann. Gerade zu Anfang der Ausbildung muss der Reiter unbedingt darauf achten, diesen natürlichen Takt nicht zu stören, selbst wenn es ihm vielleicht etwas zu schnell oder langsam vorkommt. Denn nur, wenn sich ein Pferd wohl fühlt, kann es Losgelassenheit erreichen, den zweiten Punkt der Skala.

Weist ein Pferd sichtbare Taktunreinheiten auf, ist das ein Zeichen für Mängel in der Ausbildung.

Nicht nur der Rhythmus der Gangart muss gleichmäßig sein, auch die Schrittlänge. Zudem muss der Takt auch bei Tempoänderungen, in den Seitengängen oder bei Richtungswechseln gleich bleiben – vor allem beim Zulegen oder Aufnehmen ist das gar nicht so einfach. Jüngere oder untrainierte Pferde tun sich in Wendungen mit dem Takt oft schwer, wenn sie noch nicht ganz ausbalanciert sind – in diesen Fällen muss man nicht ganz so streng sein, dieses Problem wird sich infolge der richtigen Gymnastizierung mit dem Pferd lösen.

Der Takt im Schritt

Der Schritt ist eine Gangart im Viertakt – und auch die anfälligste Gangart für Taktstörungen. Im Schritt sollte der Reiter der natürlichen Nickbewegung des Kopfes mit der Hand folgen, dabei jedoch eine leichte Anlehnung aufrecht erhalten. Die Verbindung hält man am besten aufrecht, indem man aus dem Ellbogen heraus mit der Kopf-Halsbewegung mitgeht, den Oberkörper aber ruhig lässt. Mit einem geschmeidigen Sitz soll er der Bewegung folgen und den Fluss derselben vom Hinterbein bis zum Maul durchlassen.

Pass oder Passverschiebung

Wenn sich ein Pferd nun im Rücken festhält weil es angespannt ist, der Reiter eine zu unflexible Hand hat oder mit dem Sitz das Pferd stört, kann sich das Pferd im Rücken verspannen, wodurch eine Passverschiebung (Vorstufe des Pass) stattfinden kann. Dies ist ein schwerer Fehler in der Ausbildung, da dies NUR auf Reiterfehler zurückzuführen ist, in der Natur zeigen Pferde nie Pass oder eine Passverschiebung (Gangpferde ausgenommen). Die folgende Grafik (Szene nachgestellt) zeigt eine Passverschiebung, jedoch sind die Beine einer korrekten Schrittfolge markiert. Man sieht so gut, wie sich die Beinabfolge verfälscht, wenn das Pferd Ansätze von Pass zeigt:

Fussfolge SchrittundPass

Der Takt im Trab

Im Trab bewegt sich das Pferd im Zweitakt, bei dem immer das diagonale Beinpaar gleichzeitig abfusst. Egal ob Arbeits-, Mittel- oder starker Trab – die Beine sollen sich immer gleichmäßig bewegen, das heißt:

Das diagonale Beinpaar soll immer gleichzeitig auf dem Boden aufkommen und möglichst auch parallel in der Luft sein.

Das diagonale Beinpaar fußt gleichzeitig; die Röhre und der Oberarm sind parallel.

Das diagonale Beinpaar fußt gleichzeitig; die Röhre und der Oberarm sind parallel.

Vor allem beim Zulegen passiert es, dass Reiter dieses nicht aus der Versammlung reiten, sondern ihr Pferd nur eilig werden lassen oder, wie manchmal im größeren Sport zu sehen, die Vorhand extrem nach oben kommt, die Hinterbeine aber nicht gleichmäßig nachziehen. Letzteres ist gut daran zu erkennen, dass die Röhre des Hinterbeins weder parallel zur Vorderröhre noch dem Unterarm des diagonalen Vorderbeins ist. Zudem sieht man häufig, dass die Hufe nicht gleichzeitig auf- oder abfußen, sondern ein wenig zeitversetzt. Beides zählt als Taktstörung, da der natürliche Takt nicht mehr gegeben ist.

Hier drücken sich die Beine nicht gleichzeitig vom Boden ab.

Hier drücken sich die Beine nicht gleichzeitig vom Boden ab.

Der Takt im Galopp

Der Galopp ist die einzige Gangart, die aus Sprüngen im Dreitakt besteht, die aufeinander folgen. Nach jedem Galoppsprung folgt eine Schwebephase, bei der alle Beine in der Luft sind. Wichtig ist, dass die Atmung des Pferdes an den Rhythmus des Galopps gebunden ist – eine Rhythmusstörung durch den Reiter wirkt sich also auch auf die Atmung aus, wodurch die Losgelassenheit leiden kann.

Manche Pferde entwickeln einen Viertakt im Galopp, wenn man sie zu sehr in der Vorwärtstendenz begrenzt.

In diesem Fall sind die Hinterbeine nicht mehr in der Lage durchzuspringen, wodurch die Schwebephase verloren geht. Diese Gangart wird dann umgangssprachlich auch „Tralopp“ bezeichnet weil es so aussieht, als würde das Pferd mit den Hinterbeinen traben.

Fussfolge Galopp Neu

Das sagen unsere Trainer zum Takt

Sabine Ellinger, Dressurreiterin

Ausbildungsskala FN

1.

Takt

2.

Losgelassenheit

3.

Anlehnung

4.

Schwung

5.

Geraderichtung

6.

Versammlung

Ernst-Peter Frey, Westernreiter

Ausbildungsskala EWU

1.

Takt

2.

Losgelassenheit

3.

Nachgiebigkeit

4.

Aktivierung der Hinterhand

5.

Geraderichtung

6.

Absolute Durchlässigkeit